Berlin : Einsam auf „Herrenstein“

Der Weg zum Adelssitz führt in eine abgeschiedene Gegend. Hier herrschte die Familie von Arnim

Claus-Dieter Steyer

Wie doch Namen täuschen können. Wer erstmalig vom Ort Herrenstein hört und beim Kramen in Erinnerungen auf einen Vergleich mit Königstein stößt, liegt falsch. Denn das Herrenstein in der Uckermark hat nichts mit Königstein im Taunus oder in der Sächsischen Schweiz zu tun. Während im hessischen Königstein in diesen Tagen mit viel Trubel die brasilianische Fußballlnationalmannschaft für die WM ihr Quartier aufschlägt, herrscht im 80 Kilometer nordöstlich Berlins gelegenen Herrenstein fast gespenstische Ruhe. Nur das Schloss bringt Leben in diese abgeschiedene und sehr dünn besiedelte Gegend. Mit einer Bevölkerungsdichte von 19 Einwohnern auf einem Quadratkilometer liegt das Amt Gerswalde, zu dem Herrenstein zählt, ganz hinten in Europa.

Es muss also ein recht phantasiereicher Namensgeber gewesen sein, der sein Anwesen in dieser stillen Gegend ausgerechnet „Herrenstein" nannte. Wie in der ganzen Uckermark üblich, führt die erste Vermutung zur Ahnentafel der Familie von Arnim. Das aus der Gegend um Arnheim im 13. und 14. Jahrhundert nach Osten ausgewanderte Adelsgeschlecht bestimmte hier den Lauf der Dinge. Fast jeder Hektar gehörte 750 Jahre lang den Arnims. Den Rest verwalteten sie im Auftrag der Landesherren.

Tatsächlich ist auch das Schloss Herrenstein auf die Arnims zurückzuführen. Aus dem Jahre 1821 stammt der erste schriftliche Nachweis von „Herrenstein". Der Name wurde für eine 1795 eingerichtete „Pächterey zu Gerswalde" verwendet. Das Gebäude stand nicht lange leer, denn die Arnims brauchten für ihre Familie immer neue Gutshäuser und Schlösser. So erhielt auch der Flecken Herrenstein sein Schloss, obwohl die Arnims schon im nahen Gerswalde ein stattliches Anwesen unterhielten. 1890 erfolgte der Bau in seiner jetzigen Form.

Zwar verspekulierte sich der Gerswalder Zweig der Familie 1927 mit Geldgeschäften. Aber das Schloss Herrenstein kam nicht unter den Hammer. Nach dem Kriegsende diente es als Flüchtlingsunterkunft. 1981 zogen die letzten Bewohner aus. Danach begann der Verfall, dem erst die Wende ein Ende setzte. Mitte der Neunzigerjahre eröffnete im Schloss mit dem verlockenden Namen ein Vier-Sterne-Hotel.

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