Berlin : Einsatz für die Raucherecke

Der parlamentarische Vorstoß für ein Nikotinverbot an Schulen findet ein geteiltes Echo – am Donnerstag fällt die Entscheidung

Susanne Vieth-Entus

Mit Spannung erwarten die Schulen die letzte Abgeordnetenhaussitzung vor den großen Ferien: Zur Abstimmung am nächsten Donnerstag steht ein Allparteien-Antrag über ein generelles Rauchverbot auf dem gesamten Schulgelände. Nachdem die entsprechenden Pläne gestern bekannt geworden waren, zeichnet sich ab, dass es einige Zustimmung für eine Abschaffung der Lehrer-Raucherzimmer gibt. Mit den Raucherecken auf den Schulhöfen verhält es sich anders.

„Raucherecken sind okay“, meint etwa die Vorsitzende des Landeslehrerausschusses, Brigitte Wilhelm. In diesen eng begrenzten Bereichen sei eine Kontrolle möglich. Wenn man die Raucherecken verbiete, riskiere man, dass die Schüler auf Toiletten oder vor dem Schulgelände rauchten. Allerdings befürwortet sie die Abschaffung der speziellen Lehrerzimmer für Raucher und bekommt dabei vorsichtige Unterstützung von Manfred Triebe, der im Hauptpersonalrat für Gesundheitsfragen zuständig ist.

Triebe, der selbst früher rauchte, hat die Erfahrung gemacht, dass die Schulpausen sowieso nicht reichen, um in Ruhe eine Zigarette zu genießen. Es sei doch „nervig“, in die Rauchpause zu „rasen“, findet Triebe. Das sei allerdings seine persönliche Meinung. Er plädiert dafür, dass Schulen sich auf individuelle Stufenpläne verständigen, um allmählich weg vom Rauchen zu kommen.

Von Schülerseite gibt es wenig Sympathie für ein Rauchverbot. Der Vorsitzende des Landesschülerausschusses, Alexander Freier, befürchtet ebenso wie Brigitte Wilhelm, dass die Schüler auf Verstecke ausweichen, wenn ihnen die Raucherecke genommen wird. Dies jedenfalls sei seine Erfahrung aus seiner früheren Schule in Nordrhein-Westfalen. Zudem werde das Rauchen noch interessanter, wenn es verboten sei, befürchtet der 17jährige Nichtraucher.

Einzelne Schulen haben sich dennoch kategorisch zur „rauchfreien Zone“ erklärt. Mitunter geht die Initiative sogar von den Schülern selbst aus. So berichtet die Mathematiklehrerin und Raucherin Johanna Harnischfeger, dass an ihrer Martin-Buber-Gesamtschule die Gesamtschülervertretung gerade an einem Rauchverbot arbeite. „Es kann sein, dass das kommt“, sagt sie. Und dann? „Ich würde schlechter gelaunt sein“, fürchtet Harnischfeger.

Zurzeit gibt es an fast allen Schulen Raucherzimmer für die Lehrer und spezielle Ausweise für Schüler, die die Raucherecke nutzen wollen. Bedingung für die Ausweise ist, dass die Eltern sich schriftlich einverstanden erklären und die Kinder über 16 Jahre alt sind. In manchen Schulen erledigen sich die Raucherzimmer von allein. „Wir haben 27 Lehrer und keiner raucht hier“, berichtet die Sekretärin der Friedrichshagener Bölsche-Realschule nicht ohne Genugtuung in der Stimme.

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