Berlin : Einsatz mit Händen und Füßen

Freiwillige in Berlin (3): Anneliese Bödecker hilft Opfern von Tschernobyl

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In unserer Serie stellen wir Menschen vor, die sich ehrenamtlich für das Allgemeinwohl einsetzen. Kennen Sie auch einen fleißigen Helfer? Dann schicken Sie bitte eine Mail an ehrenamt@tagesspiegel.de.

Wenn Anneliese Bödecker raus zu ihren Kindern und Jugendlichen in die Bernauer Brandenburg-Klinik fährt, krampft sich regelmäßig ihr Herz zusammen. Viele der Krebskranken haben bereits mehrere Operationen und Chemotherapien hinter sich, „da muss ich mich oft zusammenreißen, um nicht zu weinen“. Vor elf Jahren hat Bödecker ihren Verein „Hilfe für krebskranke Tschernobyl-Kinder“ gegründet (Infos unter 327 06110). Seitdem lässt sie regelmäßig schwer kranke Kinder und deren Mütter aus Weißrussland in die Brandenburg-Klinik bringen, weil ihnen in der Heimat oft nicht geholfen werden kann: „Dort gibt es zum Beispiel keine Kinderprothesen, und manche Operationen können auch nicht durchgeführt werden.“ 683 Kinder sind es bis heute, das Geld dafür erbittet Bödecker persönlich bei Spendern. Anfangs habe es viel Überwindung gekostet, Fremde wegen Geld anzusprechen, sagt sie. Wie vielen Kindern die 73-Jährige langfristig helfen konnte, weiß Bödecker nicht: „Auf jeden Fall haben wir dem Teufel schon viele von der Schippe geholt.“ Bödecker ärgert sich darüber, dass die Situation in Tschernobyl kaum noch Beachtung findet. Dabei werde die Katastrophe dort niemals enden, weil die betroffenen Landstriche auf Jahrhunderte verstrahlt seien.

Bei ihren Besuchen im Krankenhaus geht es übrigens nicht nur traurig zu, es gibt auch eine Menge zu schmunzeln: Weil Bödecker kaum ein Wort Russisch spricht, muss sie sich mit Händen und Füßen verständlich machen: „Dabei passiert dann viel Blödsinn.“ sle

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