Berlin : Einstieg nur vorne: Fahrgast verprügelte Busfahrer

BVG-Mann zusammengeschlagen, weil er die Hintertür nicht öffnete

Tanja Buntrock

Der Busfahrer wollte nur freundlich sein, hielt extra noch einmal an und öffnete für den heraneilenden Mann die Vordertür. Doch der Mann legte Wert darauf, hinten einzusteigen. Als die Türen verschlossen blieben, wurde er wütend, rannte dann doch nach vorne und schlug den türkischen BVG-Busfahrer der Linie 187 zusammen. All dies geschah am Donnerstag um 17.50 Uhr an einer Haltestelle in der Schöneberger Leberstraße.

Der 40-Jährige ging durch die Faustschläge ins Gesicht zu Boden, der Täter versetzte ihm Tritte. Der Fahrer soll dennoch versucht haben, aus dem Bus zu kommen – draußen gingen die Angriffe weiter. „Dort nahm der Täter einen 50 Zentimeter langen Metallhaken an sich, der zum Herausziehen der Rollstuhlfahrer-Rampe gedacht ist, und prügelte auf den Busfahrer ein“, hieß es bei der Polizei. Als ein Fußgänger dazu kam, flüchtete der Täter. Mittlerweile waren auch Fahrgäste aus dem Bus hinzugekommen. Sie sollen – weil alles so schnell gegangen sei – erst später mitbekommen haben, was dort vorne vorging, hieß es bei der Polizei. Eine schwarze Lederjacke hat der Angreifer während des Kampfes verloren. „Wir sind zuversichtlich, dass wir anhand dieser Spur den Täter bald finden“, sagte ein Polizeisprecher. Warum der Fahrer nur vorne die Tür öffnete, blieb gestern unklar. Pflicht wird es erst am kommenden Montag für die Fahrgäste, vorne einzusteigen. „Der Fahrer will sich nicht öffentlich äußern. Er muss den Vorfall erst einmal verarbeiten“, sagte eine BVG-Sprecherin.

Eine ganze Menge der rund 3000 Berliner Busfahrer haben schon Angriffe im Dienst erleben müssen: In Spandau schlug vor zwei Jahren ein Randalierer mit einer halb gefüllten Wodkaflasche auf einen Fahrer ein. Im Dezember vergangenen Jahres haben vier Jugendliche einen Busfahrer in Steglitz angegriffen. Zudem begann vor rund zwei Jahren eine Anschlagsserie auf BVG-Busse: Dutzende Heck- und Seitenscheiben gingen zu Bruch, weil sich Täter mit Steinen an den Bussen austobten. Die Zahl der Übergriffe ist in den letzten Jahren relativ gleich geblieben. Um die Fahrer besser zu schützen, hat die BVG 2003 ein Pilotprojekt gestartet und einen Bus mit einer Plexiglasscheibe am Fahrersitz ausgestattet. Die Ergebnisse wurden noch nicht ausgewertet.

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