Berlin : Einsturzgefahr an Ufern von Spree und Landwehrkanal

Alarmierender Befund: Viele Mauern sind unterspült Fahrverbot und Staugefahr, Wiesen werden gesperrt

Klaus Kurpjuweit

Die Wasserstadt Berlin bröckelt. Erst mussten an der Spree in Mitte die Uferwände aufwendig saniert werden, was noch nicht abgeschlossen ist – und jetzt drohen am Landwehrkanal Böschungen abzurutschen. Das Wasser- und Schifffahrtsamt hat deshalb rund zwei Kilometer Uferstreifen sowie mehrere Anlegestellen der Schifffahrt im Landwehrkanal sperren lassen. Seit Freitag darf der zwischen 1845 und 1850 gebaute Kanal nur noch in einer Richtung befahren werden. Die Reedereien müssen ihre Fahrpläne zum Teil völlig umstellen. Staus vor den Schleusen sind damit programmiert. Wie lange der Verkehr auf dem Wasser so eingeschränkt werden muss, ist ungewiss.

Gebaut worden war der Kanal mit einer Tiefe von zwei Metern. Inzwischen liegt der Grund teilweise bei 2,80 Metern – und damit unter den Uferwänden, die nur 2,20 Meter in den Untergrund reichen. Die Mauern können nun unterspült werden und dann wegbrechen; komplette Uferböschungen könnten dadurch abrutschen, auf deren Wiesen sich an sonnigen Tagen zahlreiche Menschen aalen. Sie sollen nun an Teilabschnitten des Landwehrkanals durch Zäune davon abgehalten werden, sich dort aufzuhalten.

Um bei einem Uferabrutsch die Schiffe nicht zu gefährden, dürfen diese nur noch in der Kanalmitte fahren. Deshalb sind ausschließlich Fahrten im Uhrzeigersinn zugelassen. Das Wasser- und Schifffahrtsamt will nun „kurzfristig greifende Lösungen“ erarbeiten. Dabei müssen die Planer berücksichtigen, dass der Kanal – und seine Ufer – unter Denkmalschutz stehen. Der einfachste Weg, Spundwände vor den Ufermauern in den Boden zu rammen, verbietet sich wahrscheinlich.

Bereits am 22. April war am Maybachufer in Neukölln die gemauerte Uferwand abgesackt. Bis die Einsturzstelle provisorisch gesichert war, durften Passagierschiffe hier nicht fahren. Anschließend ließ das Wasser- und Schifffahrtsamt die seiner Ansicht nach besonders gefährdeten Strecken des Landwehrkanals durch Taucher aufwendig untersuchen. Dabei wurden etliche „Übertiefen“ vor allem an den Anlege- und Ausweichstellen sowie an den Ufermauern erkannt. Ursache könnte der intensive Verkehr mit immer stärker motorisierten Schiffen sein, vermuten Experten .

Dieses Problem gibt es auch auf der Spree. Erst in den vergangenen Wochen musste am Reichstagufer zwischen dem S-Bahnhof Friedrichstraße und der Weidendammer Brücke ein rund 150 Meter langer Abschnitt der Ufermauer gesichert werden. Auch sie war unterspült. Das Reichstagufer wurde deshalb im vergangenen Jahr gesperrt.

Am gegenüberliegenden Schiffbauerdamm muss die gut 100 Jahre alte Ufermauer sogar vollständig erneuert werden. Damit die Wirte dort ihre Gäste weiter im Freien bedienen können, sollen die Arbeiten nach der jetzt erfolgten provisorischen Sicherung im Herbst beginnen.

Schäden sind unter anderem auch am Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal beim Humboldthafen, im Charlottenburger Verbindungskanal sowie im Uferbereich bei der Charlottenburger Schleuse festgestellt worden. Taucher hatten im vergangenen Jahr rund 30 Kilometer Ufermauern untersucht. Noch nicht abgeschlossen sind die Überprüfungen auf etwa 40 Kilometern Länge am Teltowkanal, wo die Sicherheitskriterien der Uferböschungen neu berechnet werden.

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