Einsturzgefahr : Bibbern bis der Statiker kommt

Es ist der Alptraum für viele Berliner. In der Wohnung bilden sich Risse, die Türen klemmen, die Wohnung muss evakuiert werden. Heute mussten acht Mieter bei klirrender Kälte ihr Heim verlassen.

Daniela Martens

Es sollte ein normaler Vorweihnachtsabend werden. Ein warmer vor allem, im eigenen Zuhause. Aber für einige Bewohner eines Altbaus in der Bamberger Straße in Schöneberg wurde er zum eiskalten Alptraum: Die Polizei holte sie gestern aus den Wohnungen, ein Teil des Hauses sei einsturzgefährdet, hieß es. Zuvor hatte eine Mieterin Alarm geschlagen, weil sie plötzlich Risse in der Wand entdeckte und Türen klemmten.

Den Grund vermuteten sie und andere Mieter, die lange warten oder sich bei sibirischenTemperaturen eine warme Unterkunft suchen mussten, in Bauarbeiten auf dem Grundstück nebenan. Die Bauaufsicht ließ zwei Statiker die Wohnungen untersuchen. Das dauerte.

„Die haben mich schon heute Nachmittag rausgeholt“, sagt die 17-jährige Pia. Noch gegen 19 Uhr steht sie bibbernd im Dufflecoat vor dem Haus. Als es klingelte, sei sie gerade aus der warmen Dusche gekommen und war dabei, alles für einen netten Abend mit Freunden vorzubereiten, erzählt sie. Ganz allein zu Hause – die kleine Schwester bei einer Geburtstagsparty, die Eltern auf dem Weg zu einer Weihnachtsfeier in Göttingen. „Kurz nach Magdeburg hat sie uns angerufen und wir sind umgedreht“, sagt Pias Vater. Erstaunt sei er nicht gewesen: „Bei den Arbeiten auf der Baustelle nebenan hat in den letzten Wochen die ganze Gegend so stark vibriert, dass man sich schon gefragt hat, wie lange das alte Haus das wohl mitmacht.“

Inzwischen haben sich Anwohner aus den Häusern ringsum vor dem Haus versammelt und erzählen ähnliche Geschichten, auch sie haben Angst um ihre Häuser. Einige stehen auch vor der tiefen Baugrube am gefährdeten Haus. Gegen 20.30 Uhr dürfen die zehn Bewohner der linken, gefährdeten, Haushälfte Habseligkeiten und Haustiere holen. Dann müssen sie wieder raus. Auch einige ihrer Nachbarn von der rechten Seite verlassen lieber mit Sack und Pack das Haus.

Etwas später geben die Statiker Entwarnung: Alle können wieder in die Wohnung. Aber Pia und die meisten anderen sind längst weg. Daniela Martens

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