Einzelhandel : Kauflust wie vor dem Fest

"Ich dachte, Weihnachten kommt erst noch": Am Wochenende waren die Läden in Berlin wieder voll. Bis zum Jahreswechsel soll es auch so bleiben.

Sandra Dassler
Kaufen
Im Kaufhauf am Alexanderplatz waren die Treppen am Samstag voll. -Foto: dpa

Selbst Jennifer Woelki, die Geschäftstellenleiterin der AG City, glaubte am Wochenende ihren Augen nicht zu trauen. „Es war so voll auf dem Ku’damm, dass ich dachte, Weihnachten kommt erst noch“, sagt sie. Tatsächlich stürmten die Kunden nach den zwei einkaufsfreien Feiertagen vor allem am Sonnabend in die Geschäfte. Das Parkhaus im Europa-Center war gegen 13 Uhr bereits voll, in den Arkaden am Potsdamer Platz drängelten sich am Abend noch die Menschen.

Auch am Sonntag ging das große Shoppen weiter. Allerdings sei es dann nicht mehr so hektisch gewesen, hieß es gestern in den Hugendubel-Filialen, im KaDeWe und bei Douglas im Steglitzer Einkaufszentrum „Das Schloss“. Der Sprecher der Europa-Center-Werbegemeinschaft, Peter Huber, sagte: „Auch am Sonntag war viel los. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt zu öffnen.“ Zwar konnte Günter Päts, Vizechef des Einzelhandelsverbandes Berlin-Brandenburg, am Sonntag noch keine Umsatz-Zahlen für das Wochenende nennen, bestätigte aber den ungebrochenen Einkaufsboom in der Hauptstadt. Dies sei auch den Touristen zu verdanken, sagte Päts: „Bei denen sitzt der Euro lockerer, die Erfahrung hat jeder schon im Urlaub gemacht.“ Besonders Russen und Polen lassen derzeit viel Geld am Ku’damm und Alex.

Die Berliner selbst kamen vor allem in die Kaufhäuser, um Gutscheine und Geldgeschenke einzulösen. Das mache man oft schnell, damit Geld- und Gutscheinspender die Freude miterleben könnten, sagte Päts: „Dank des Wochenendes gleich nach den Feiertagen waren viele Omas noch da und freuten sich, wenn der Enkel sich mit dem Geld einen Traum erfüllte.“

Viele Kunden wollten auch Geschenke umtauschen, was meist kein Problem bereitete, weil die Händler kulant waren. Oft zum eigenen Vorteil: nicht selten wurde statt des zu engen 60-Euro-Pullovers ein bequemeres Teil genommen, das auch mal 20 Euro mehr kosten durfte.

Von der Finanzkrise sei in den Lebensmitteldiscountern nichts zu spüren gewesen, sagt Päts. Hier stiegen die Umsätze ebenso wie bei hochwertigen Konsumgüter. Nach Gesprächen mit Händlern und Kunden habe er den Eindruck, dass gerade wegen der befürchteten Entwertung des Geldes viele eher zum Konsum bereit seien. Oder auch zum Kauf von teuren Sachen, die nicht so schnell an Wert verlieren würden. Wer übrigens die letzten Tage auf der Suche nach Nach-Weihnachts-Schnäppchen war, wurde besonders schnell bei Textilien fündig. Wegen des milden Wetters vor den Feiertagen sanken die Preise für Winterkleidung.

Die Händler erwarten auch für die drei letzten Tage des Jahres viele Kunden. „Die Touristen sind ja auch wegen der bevorstehenden Silvester-Party da“, sagt Peter Huber vom Europa-Center. Christian Tänzler von der Berlin Tourismus Marketing GmbH bestätigt das: „Die Hotels sind fast voll, im Gegensatz zu Paris oder London gibt es in Berlin – Finanzkrise hin oder her – keinen Einbruch bei den Übernachtungszahlen.“ Sandra Dassler

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