Berlin : Einzelhandel mit Einbußen: Nur die Luxus-Läden machen gute Geschäfte

Holger Stark

Im Berliner Einzelhandel hat sich in den vergangenen Jahren Bescheidenheit verbreitet. "Wir wären in diesem Jahr schon mit einer schwarzen Null zufrieden", sagt Nils Busch-Petersen, der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands. Schwarze Null, das heißt: die Umsätze bleiben etwa auf dem Niveau des Vorjahrs. Denn während im Bundesgebiet das Geschäft gut wächst, gehen die Umsätze in Berlin seit nunmehr sieben Jahren in Folge zurück - und damit auch die Zahl der Arbeitsplätze. Trotz Regierungsumzugs einer Rekordzahl an Touristen und einer aufgewerteten Ost-Innenstadt "sind wir noch nicht aus der Talsohle heraus", sagt Busch-Petersen.

Zunächst befürchteten die Einzelhändler vor Weihnachten das Schlimmste für dieses Jahr: Die Umsätze stagnierten, vor allem Winterbekleidung lag wie Steine in den Regalen. Doch mit dem Kälteeinbruch gingen auch wärmere Jacken, Pullover und Hosen gut weg, so dass "wir nur haarscharf die Umsätze des Vorjahrs verpasst haben", sagt Busch-Petersen. Vor allem Internet-Händler haben erstaunlich gut abgeschnitten. Durch das akzeptable Weihnachtsgeschäft erreichen die Berliner Händler vermutlich die 28 Milliarden Mark Umsatz des Vorjahrs knapp.

Busch-Petersen wertet das "schon als Zeichen des Aufschwungs". Denn die Erwartungen an den Umzug der Bundesregierung haben sich für die Geschäfte nicht erfüllt, die weiterhin hohe Zahl an Arbeitslosen macht dem Einzelhandel schwer zu schaffen. "Die Stimmung ist besser als das tatsächliche Geschäft", sagt Busch-Petersen. "Der Umzug hat sich bisher nur mental beflügelnd ausgewirkt." Allerdings registrieren die Händler, bedingt durch den Regierungsumzug, einen Aufschwung im Luxus-Bereich. "Der ist in diesem Jahr deutlich besser gelaufen, als in den Jahren zuvor", sagt Busch-Petersen. Selbst Luxus-Läden, die sich eigentlich auf eine repräsentative Rolle konzentieren, hätten über eine erstaunlich hohe Nachfrage berichtet. "Der Bereich zieht insgesamt an." Allerdings sind die Umsätze in diesem Segment nicht so hoch, dass sie den gesamten Handel aus der Krise führen könnten.

Auf der anderen Seite spricht Busch-Petersen davon, dass ganze Kieze "enthandelt werden", also die Läden eingehen. Als Beispiel nennt der Verbands-Geschäftsführer die Brunnenstraße in Mitte: Während einige hundert Meter südlich rund um den Hackeschen Markt die Läden boomen, schließt zwischen Rosenthaler Platz und Bernauer Straße ein Geschäft nach dem anderen - weil die großen Einkaufskomplexe wie das Gesundbrunnencenter Kunden wie ein Staubsauger abziehen. Ähnliches gilt nach Angaben Busch-Petersens etwa auch für Pankow-Süd. Besonders schwer hatten es im abgelaufenen Jahr Lebensmittelläden. Mittel- bis langfristig sieht der Verband dadurch "enorme Probleme" auf die Stadt zukommen, weil die Infrastruktur mit hohen Zuschüssen mühevoll wieder aufgebaut werden muss. Andererseits weiß auch Busch-Petersen: "Es sind nicht die großen Zentren, die den Einzelhandel kaputt machen, sondern die Leute, die nicht mehr um die Ecke einkaufen."

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