Berlin : Einziehen und ausschwärmen

Gestern kamen über 1000 Fische am Dom-Aquarée an. Montag soll die Unterwasser-Landschaft öffnen

Stefan Jacobs

Es passiert selten, dass sich während einer Pressekonferenz jemand mit einem Plastikbeutel voll lebender Seesterne durchdrängelt. Aber beim gestrigen Einzug der Fische in die Sea-World-Aquarienlandschaft musste alles ganz schnell gehen. Die 30 Becken sollen nämlich – ebenso wie der Riesenzylinder im Nachbartrakt des Dom-Aquarées – möglichst am kommenden Montag fürs Publikum öffnen. Das Wasser war zwar rechtzeitig in den Becken, aber ringsum dröhnte noch die Großbaustelle.

Der Lastwagen mit den Rochen und Haien ist direkt aus England in die Karl-Liebknecht-Straße gekommen. Hinten läuft ein dünner Wasserstrahl raus, und aus dem Fahrerhaus klettert ein bärtiger Typ mit verspiegelter Sonnenbrille, murmelt etwas von „Fish ’n’ Chips“ und streicht sich vergnügt über den Bauch. Im klimatisierten Laderaum des Sattelzuges stehen große Bassins samt Pumpen und Filtern für die dicken Brocken sowie allerlei kleinere Gefäße für die weniger korpulenten Neuberliner, die das Sea Life bevölkern werden. Einige sind in Südengland gezüchtet, andere in Nordsee und Atlantik gefangen worden.

Martin Hansel, der Oberfischpfleger, klettert in den Laster und schleppt eine Styroporkiste voll feuchtem Stroh ins Haus. Drinnen öffnet er sie, es raschelt im Stroh, Hansel greift rein – und fördert eine gut 50 Zentimeter lange Languste zutage, die platschend ihren Schwanz auf und ab schlägt. „Sehr lecker“, sagt Hansel und nimmt ihr einen Strohrest von den Stielaugen,, „aber so stachlig, dass sie eine Plastiktüte kaputt machen würde.“ Die Languste taucht ab, Hansel geht wieder raus: „Ich hol mal den Hummer.“

Nach den Hummern kommen die XXL- Krabben, anschließend Aale und Rochen. Die liegen ein bisschen knittrig in den runden Transportbottichen, aber sie passen rein. Zum Glück, denn manchmal müssen die Sea-Life-Mitarbeiter unterwegs anhalten, um beispielsweise einen Gabelstapler voll Kantensteine durchzulassen. Bei den 13 Haien darf nichts dazwischen kommen: Die Hundshaie sind fast eineinhalb Meter lang – zu groß für die Transportgefäße. Also wickeln die Sea-Life-Leute sie in nasse Bettlaken und bringen sie im Laufschritt zwischen Lüftern, Leitern und Eimern hindurch ins riesige Ozean-Becken. Mit ein paar kräftigen Flossenschlägen verschwinden die Haie im trüben Halbdunkel.

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