Berlin : Eis für die Bären und Wasser für die Spree

Berlin und Brandenburg schwitzten bei über 37 Grad – außer den weißen Riesen im Zoo

Ralf Schönball/Claus-Dieter Steyer

Es ist so heiß, dass die Spree und die S-Bahnzüge zum Stillstand kommen. 37 Grad – und stellenweise ein paar Zehntel mehr – erreichte die Temperatur gestern. Und die Hitze geht weiter. Da möchte man ein Eisbär sein. Den weißen Riesen im Zoo wurden gestern mehrere Tonnen Eis gespendet. Wer keine Abkühlung fand, wie die tausenden Besucher in den überfüllten Strandbädern, dem blieb nur eines übrig – kalte Gedanken machen.

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Sahara Deutschlands. Sie liegt südöstlich von Berlin, in der Niederlausitz. In Holzdorf wurde mit 37,5 Grad Celsius die höchste Temperatur in Brandenburg gemessen, in Eiskeller waren es 37,2 Grad. Während in den vergangenen zwei Wochen in Berlin und Potsdam 55 Liter Regen pro Quadratmeter fielen, maßen die Meteorologen zwischen Cottbus und Senftenberg nur zwei Liter.

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Dicke Luft. Die Ozonwerte überschritten den Grenzwert von 180 Mikrogramm. Friedrichshagen hält den Berlin-Negativrekord: mit 211. Ozon erschwert das Atmen, verursacht Augenreizungen und Kopfschmerzen. Die höchsten Konzentrationen werden in den späten Nachmittagsstunden gemessen. Da sollten besonders ältere Menschen mit schwachem Kreislauf und Kinder von körperlichen Anstrengungen absehen. Bernd Kahra, Ozonexperte beim Umweltbundesamt geht davon aus, dass die Werte weiter steigen, so lange die Hitze anhält. Deshalb fordert der Naturschutzbund von der Bundesregierung einen Maßnahmeplan für Tage wie diese: Mit Fahrverboten für nicht schadstoffarme Autos und Tempolimits auf Autobahnen. Hintergrund: Abgase von Kraftfahrzeugen verursachen Ozon.

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Hitze stoppt Bahn. Im S-Bahnhof Tempelhof kocht das Öl – eines Aufzuges. So wurde der Ausfall des Fahrstuhls vom Bahnhofpersonal erklärt. Berlinweit stehen acht Aufzüge auf S-Bahnhöfen still. S-Bahn-Sprecher Gisbert Gahler berichtete außerdem von Störungen bei den Weichen und einem Brand zwischen Oranienburg und Birkenwerder. Die Zwischenfälle führten zu erheblichen Verspätungen auf der Ringbahn.

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Vorsicht, Klima anlage. Das Landesamt für Arbeitsschutz warnt vor dem Betrieb alter, schlecht gewarteter, möglicherweise undichter Klimaanlagen: „Da können sich Legionellen bilden, die ins Büro geschleudert werden und die Gesundheit angreifen können“, sagt Robert Rath. Es drohten Lungenkrankheiten.

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Gefährliche Autos. Die Sprecher von Feuerwehr und Polizei warnten erneut davor, dass Autos in der Sommerhitze zu tödlichen Fallen werden können. So verendete vor kurzem ein Hund in einem verschlossen Auto in Friedenau.

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Wenig Wasser. Zum Stillstand kommt die Spree spätestens Sonnabend, unterhalb des Spreewaldes. Dann droht der Tod zehntausender Muscheln, die den Fluss vor der Berliner Stadtgrenze säubern. Die Talsperre Spremberg gibt kein Wasser mehr in die Spree ab. Mit der Schwarzen Elster im Süden Brandenburgs ist der erste Fluss so gut wie ausgetrocknet. In Senftenberg gibt es im einstigen Flussbett nur noch wenige Pfützen, hunderte Fische verendeten hier. Nachdem in Lebus bei Frankfurt (Oder) ein Frachter auf Grund lief, wurde die Schifffahrt auf der Oder weitgehend eingestellt.

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Höchste Waldbrandgefahr . Ab heute gilt in Brandenburg die höchste Warnstufe 4, auch in dem nördlich an Berlin grenzenden Landkreis Barnim. Die Wälder werden rund um die Uhr durch Forstleute auf Feuerwachtürmen oder Kameras überwacht. Autos sollten weit weg vom Waldrand abgestellt und Zufahrtswege frei gehalten werden. Die Feuerwehr musste mehrere Feld- und Waldbrände vor allem in der Lausitz bekämpfen.

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