Eis und Schnee : Ein glatter Ausfall: Die Opfer des Winters

Volle Mülltonnen, keine Zeitungen und leere Briefkästen – nicht nur die Berliner leiden unter dem Schneechaos, auch Postboten und BSR-Mitarbeiter sind Opfer des Winters.

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323397_0_fda53fc9.jpg Foto: Caro / Sorge
Langsam voran. Ältere Menschen, aber auch Briefträger müssen sich in diesen Tagen vorsehen, nicht ins Rutschen zu kommen. -Foto: Caro / Sorge

Ausbleibende Post, die Morgenzeitung erst nach dem Frühstück und Probleme bei der Müllentsorgung. Der anhaltend strenge Winter macht den Dienstleistern das Leben schwer. Nicht selten endet der Versuch, die Kunden wie gewohnt zu bedienen, beim Arzt oder im Krankenhaus.

Das trifft besonders auch die Zeitungszusteller. „In manchen Bezirken liegt der Krankenstand bei bis zu 25 Prozent“, sagt Juri Ansorge von der Berliner Zustell- und Vertriebsgesellschaft für Druckerzeugnisse (BZV), die auch den Tagesspiegel ins Haus bringt. Verrenkte Knie, Bänderrisse und Knochenbrüche seien an der Tagesordnung. Die Zeitungskarren bleiben häufig in den Schneewehen stecken, in Brandenburg wurde ein Mitarbeiter angefahren, weil er wegen vereister Gehwege auf der Fahrbahn lief.

„Nachts, wenn unsere Leute unterwegs sind, ist noch nirgendwo gestreut“, klagt Ansorge und bittet die Leser um Verständnis, wenn die Zeitung jetzt einmal später kommt. Die verbleibenden Kollegen müssen täglich zwei oder drei Schichten bewältigen, Ersatzkräfte sind kaum zu finden. Angesichts der extremen Witterung gibt es keine Interessenten für die sonst begehrten Zustelljobs.

In Prenzlauer Berg wartet Manfred Wagenpfeil seit fast zwei Wochen auf wichtige Briefe und droht am Kundenservice der Deutschen Post zu verzweifeln. Weder die für seine Wohnung in der Marienburger Straße zuständige Aushilfszustellerin noch die Telefon-Hotline des Dienstleisters brachten Abhilfe. Die Post lässt den Fall jetzt prüfen. Ob die Witterung auch hier eine Rolle spielt, ist unklar. Ungeachtet dessen haben auch die Postzusteller mit dem harten Winter zu kämpfen. Zwar wurden sie bereits mit Spikes ausgestattet, die an den Schuhsohlen befestigt werden, trotzdem bleiben Stürze, die teilweise zu Prellungen oder Knochenbrüchen führen, nicht aus. Erkältungskrankheiten sorgen zusätzlich für einen erhöhten Krankenstand.

Größere Ausfälle bei der Auslieferung der Post sind Sprecherin Anke Baumann zwar nicht bekannt, dass es zu Verzögerungen kommt, räumt sie indessen ein. Gerade dort, wo die Postboten mit dem Dienstfahrrad unterwegs sind, ist wegen nicht geräumter Seitenstraßen oft mühseliges Schieben angesagt. Weil die Zusteller nur zehn Stunden pro Tag arbeiten dürfen, bleiben da schon einmal Teile eines Straßenzuges auf der Strecke. „Diese Haushalte kommen aber am nächsten Tag als Erstes dran“, so Anke Baumann.

„Wir verzeichnen zweieinhalb mal so viele Arbeitsunfälle wie üblich“, berichtet Dr. Axel Stirl, Vorstand des Post-Konkurrenten PIN Mail AG. „Derzeit laufen wir unserem Leistungsniveau hinterher, der gefühlte Effizienzverlust liegt bei 30 Prozent.“ Stirl spricht von einem „Ausnahmewinter“ und versucht, die Engpässe mit Zeitarbeitskräften zu beseitigen. Doch diese müssen erst angelernt werden und so bittet er für verspätete Zustellungen um Verständnis.

Berliner stehen derzeit auch häufiger an ungeleerten Abfalltonnen, denn oft schaffen es Berliner Stadtreinigung und Alba nicht, zu den Müll- und Recyclingbehältern zu gelangen, weil die Zuwege vereist oder durch Schneeberge blockiert sind. Dort befestigt die BSR Hinweisschilder an den Tonnen. Für den Winterdienst auf Gehwegen, Zufahrten und Privatflächen ist der jeweilige Anlieger verantwortlich, betont die BSR und bittet darum, die Zugänge zu den Müllstandflächen rechtzeitig zu räumen. Schnee von Gehwegen sollte nicht auf Grundstückszufahrten oder Fahrbahnen geschoben werden, weil ohnehin schmale Straßen dann so eng werden können, dass die großen Müllfahrzeuge nicht mehr hindurchpassen.

Damit nicht genug: Die gefüllten Müllbehälter wiegen oft mehrere hundert Kilogramm und lassen sich kaum durch tiefen Schnee ziehen. Wenn dann auch noch Treppenstufen oder schräge Zufahrten überwunden werden müssen, stehen die Männer in Orange zu dieser Jahreszeit häufig vor einer unlösbaren Aufgabe. Und auf noch ein Phänomen des Winters weist die Stadtreinigung hin. Oft lassen sich die Tonnen nicht leeren, weil der Inhalt festgefroren ist. Aus diesem Grund sollten feuchte Abfälle in Plastiktüten gesteckt oder mit Zeitungspapier eingewickelt werden.

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