Berlin : Eisbären in Haft: viele Hinweise, keine Belege

Schwedische Staatsanwältin geht von „gemeinsamer Vergewaltigung“ aus – doch die Verteidiger sind optimistisch

Sven Goldmann,Claus Vetter

Von Sven Goldmann

und Claus Vetter

Im Kurhotel von Tyringe findet eine Tagung statt. Der Betrieb läuft normal. Nichts deutet mehr darauf hin, was sich am Sonnabend hier ereignet haben soll, am letzten Tag des Trainingslagers der Eisbären in dem südschwedischen Dorf: Die Eishockeyprofis Yvon Corriveau (36) und Brad Bergen (37) sollen in einem der Zimmer eine 20-jährige Schwedin vergewaltigt haben. Die Sportler sollen die Frau in einem Nachtklub in der Kleinstadt Hässleholm kennen gelernt und mit ins Hotel genommen haben.

Das Hotelzimmer, in dem sich die Tat ereignet haben soll, liegt im Erdgeschoss. Inzwischen ist es nicht mehr von der Polizei versiegelt, das Fenster steht weit offen. „Die Untersuchung im Hotel ist abgeschlossen“, sagt Pernila Aström, die für den Fall zuständige Staatsanwältin in Kristianstad. Seit Sonnabend sind Corriveau und Bergen in der südschwedischen Stadt. Zunächst waren sie in Polizeigewahrsam, seit Dienstag sitzen sie in Untersuchungshaft, jeweils in Einzelzellen. Seit ihrer Verhaftung hatten sie keinen Kontakt – nicht untereinander, nicht mit ihren Ehefrauen, nicht mit den Verantwortlichen der Eisbären.

Bei der Verteidigung der beiden Profis wächst anscheinend der Optimismus, dass die Beweislage nicht zu einer Anklage reicht. „Ich würde sagen, die Situation verbessert sich“, sagte Corriveaus Anwalt Lars Engstrand dem Tagesspiegel. Was genau in den nächsten Tagen passieren würde, wollte Engstrand nicht sagen – es ist nach dem Gesetz möglich, dass Bergen und Corriveau bei mangelnder Beweislage auch schon vor Ablauf der 14-tägigen Untersuchungshaft freikommen. Bergens Anwalt hält sich unterdessen zurück. „Es wäre unklug, wenn ich mich äußern würde“, sagte Johan Eriksson.

Der zuständige Untersuchungsrichter Bengt-Ake Jönsson sagte dem Tagesspiegel: „Man kann sagen, dass es genug Hinweise darauf gibt, die dafür sprechen, dass die beiden Eishockeyspieler schuldig sind. Doch hat die Staatsanwaltschaft diese Hinweise noch nicht belegt. Das muss bis zum 9. September erfolgen. Danach muss ich entscheiden, ob ich die Untersuchungshaft noch einmal verlängere.“ Staatsanwältin Aström geht davon aus, dass ihr die zwei Wochen nicht ausreichen. „Wir haben so viel Material sichergestellt, dass wir die Frist auf jeden Fall verlängern müssen“, sagte sie dem Tagesspiegel. „Ich gehe auf jeden Fall weiter von einer Schuld der beiden Eishockeyspieler aus. Und wenn Sie mich konkret fragen: Ich gehe von einer gemeinsamen Vergewaltigung aus.“

Was genau in den frühen Morgenstunden des vergangenen Samstags geschah, ist der Öffentlichkeit nach wie vor nicht bekannt. Aström mag nur bestätigen, dass gegen fünf Uhr ein Anruf bei der Polizei in Hässleholm einging. Allerdings sei dieser Anruf nicht, wie bisher dargestellt, von der 20-jährigen Schwedin persönlich erfolgt, „sondern von ihren Freunden“, sagte Pernilla Aström. „Sie hat nach der mutmaßlichen Tat aus dem Hotel der Eishockeyspieler jemanden angerufen, der dann die Polizei benachrichtigt hat.“

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