Berlin : Eisbären wollen Haftentschädigung

19 Tage saßen Bergen und Corriveau unschuldig ein – jetzt soll der schwedische Staat dafür zahlen

Claus Vetter

Am 10. September fand für Brad Bergen und Yvon Corriveau ein unfreiwilliger und unerfreulicher Aufenthalt in Schweden ein abruptes Ende. 19 Tage waren die beiden Eishockey-Profis vom EHC Eisbären Berlin von der schwedischen Justiz festgehalten worden. Zunächst drei Tage in Polizeigewahrsam, danach in Untersuchungshaft. Ihnen wurde die Vergewaltigung einer 20-jährigen Schwedin vorgeworfen – zu Unrecht. Nun stellen die beiden Profis Regressansprüche an den schwedischen Staat. Jeder von ihnen will 25 000 Euro für die Zeit in der Haft.

Die Tat sollte sich während des Trainingslagers ihres Klubs im Mannschaftshotel in der Kleinstadt Tyringe ereignet haben. Allerdings hatte die Staatsanwaltschaft dafür keinen Beweis. Nach der DNA-Analyse ließ sich die Anschuldigung nicht aufrechterhalten. Die Unschuldigen wurden entlassen, kämpfen seitdem aber mit psychischen und physischen Problemen. Sie haben zwar schon trainiert, aber bis gestern noch nicht wieder gespielt. Sonntagabend, beim Heimspiel gegen Hannover, fehlte Corriveau bei den Eisbären. Bergen dagegen trat mit der Mannschaft an und spielte – zum ersten Mal seit der Haft,

Die junge Frau, welche die beiden Profis beschuldigt hatte, wollen die Eisbären-Profis nicht verklagen, sagte Corriveaus Anwalt Lars Engstrand. „Sie muss wissen, dass sie eine schreckliche Sache gemacht hat. Es ist möglich, dass sie dafür noch von der Staatsanwaltschaft angeklagt wird. Aber da mischen wir uns nicht ein.“

Kommende Woche will Engstrand mit seinem Kollegen Johan Eriksson, Anwalt von Bergen, die Forderung beim Gericht einreichen. „Der Staat wird zahlen müssen. Die Frage ist nur, wie viel“, sagt Engstrand. „Normalerweise bekommt man in Schweden 50 Euro pro Tag, den man unschuldig im Gefängnis saß.“ Doch sei der Fall um die Profis angesichts der großen öffentlichen Aufmerksamkeit kein gewöhnlicher gewesen. „Und dann haben die Spieler ja immer noch damit zu kämpfen“, sagt Engstrand. „Deshalb ist unsere Forderung von 25 000 Euro pro Mandant nicht überzogen.“

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben