Berlin : Eiscafé in der Abhörstation

Nachdem das Bauprojekt Teufelsberg geplatzt ist, wollen Naturschützer und Politiker ein neues Ausflugsgebiet entstehen lassen

Cay Dobberke

Das Bauprojekt auf dem Teufelsberg im Grunewald ist gescheitert, doch an Ideen für die künftige Nutzung der ehemaligen Abhörstation der Alliierten mangelt es nicht. Naturschützer und die meisten Fraktionen im Abgeordnetenhaus sind sich darin einig, dass die 115 Meter hohe Spitze des Trümmerbergs zum Erholungsgebiet werden soll. Hartwig Berger vom Naturschutzzentrum Ökowerk am Teufelssee wirbt für ein Konzept, das Mitglieder eines Aktionsbündnisses gegen die Bebauung erarbeitet haben.

Berger hält es für unnötig, das Areal komplett mit Bäumen und Sträuchern aufzuforsten. Der Berg locke Ausflügler als „höchster natürlicher Punkt im Westen Berlins“ an. Aussichtspunkte könnten auf Erdhügeln entstehen, die bei Vorarbeiten für das Bauprojekt aufgeschüttet worden waren. Als Aussichtsplattform komme auch einer der Kuppeltürme in Frage, zumal der Abriss teurer würde als die Erhaltung. Im Turm sei ein kleines Eiscafé denkbar. Auf einem Großteil der Fläche solle eine Liegewiese angelegt werden. Sinnvoll seien auch Spielmöglichkeiten für Kinder.

SPD-Bausenatorin Ingeborg Junge- Reyer setzt sich für eine Begrünung des Fünf-Hektar-Areals ein, sofern die Kosten für das Land Berlin „vertretbar“ seien (wir berichteten). Eine erneute Fristverlängerung für die Kölner Investorengruppe, die seit acht Jahren ohne sichtbaren Erfolg ein Hotel und Wohnungen auf dem Teufelsberg plant, lehnt die Senatorin ab. Die Baugenehmigung läuft im September aus.

Die „sparsame“ Lösung des Ökowerk-Chefs und ehemaligen Grünen-Abgeordneten Berger soll 3,2 Millionen Euro kosten. Darin enthalten sind zwei Millionen Euro für den Rückkauf. 1996 hatte die Landesentwicklungsgesellschaft das Gelände für 2,6 Millionen Euro veräußert, doch laut Berger sehen die Verträge einen Schadensersatz für Berlin bei einer Rückabwicklung vor.

Die Grünen-Abgeordnete Claudia Hämmerling lehnt einen Rückkauf des Grundstücks wegen der Kosten ab. Sie fordert eine „entschädigungslose“ Begrünung. Die Investoren müssten „die Folgen ihrer Fehlspekulation selbst tragen“. Planungsrechtlich solle das Gelände zum Wald erklärt werden. So entstehe zwar ein privater Wald, aber die Öffentlichkeit könne dennoch Zugang erhalten. Die Kuppeltürme will Claudia Hämmerling erhalten: „Sie erinnern an eine Epoche und haben eine Art Denkmalwert.“ Die Eingänge sollten vermauert werden. Efeu und Spontanvegetation würden der Station bald „das Ambiente eines verwunschenen Schlosses geben“.

Auch der CDU-Stadtentwicklungsexperte Karl-Georg Wellmann wünscht sich ein Erholungsgebiet. Die architektonisch reizlosen Altbauten sollten verschwinden. Berlin könne sich um Zuschüsse der EU oder des Bundes bemühen, die für die Umwandlung militärischer Anlagen gewährt werden. Ähnlich sieht es der SPD-Abgeordnete Michael Arndt. Eine neue Ausschreibung für Investoren sei sinnlos. Die Kuppeln sollten als „markantes Zeichen der Stadt“ stehen bleiben, ansonsten sei eine kostensparende Begrünung geboten. Nur der FDP-Stadtentwicklungspolitiker Erik Schmidt hält Neubauten immer noch für möglich – allerdings nur in deutlich „kleinerem Rahmen“.

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