Eiscafé : Pionier an der Kaltfront

Seit 80 Jahren verkauft das Eiscafé Monheim in Wilmersdorf seine Kugeln. Zur Zeit ist die Sorte "Omas Apfelstrudel" schwer angesagt.

Daniela Martens

Glückselig. Anders kann man diesen Gesichtsausdruck nicht beschreiben. Die ältere Frau, auf deren Gesicht er erscheint, steht vor dem Tresen des Eiscafés Monheim an der Blissestraße 12 in Wilmersdorf. „Oh, es gibt heute die Oma!“, sagt sie und seufzt dabei fast vor Begeisterung. „Ich nehm’ gleich zwei Kugeln. Da haben sie aber was eingeführt.“ Sonja Belowa lacht und reicht ihrer Kundin die Waffel. „Die Oma“ ist ihre neueste Eiskreation und heißt mit vollem Namen „Omas Apfelstrudel“. Insgesamt hat Sonja Belowa 60 Sorten im Programm, jeden Tag gibt es 14 davon zu kaufen – immer andere, damit es Abwechslung gibt. Schließlich bedient sie in dem kleinen Eisladen hauptsächlich Stammkunden. Die Oma-Liebhaberin etwa kommt fast jeden Tag vorbei.

Das kleine Geschäft ist etwas besonderes: Es ist laut Sonja Belowa die älteste Eisdiele der Stadt, gegründet 1928, Jahrzehnte bevor die erste italienische Eisdiele eröffnet hat. Das Eiscafé Florida in Spandau ist zwar sogar noch ein bisschen älter, aber Eis wird dort noch nicht so lange verkauft, die ersten Jahrzehnte war es einfach ein Café. „Irgendwann im Frühling 1928“ habe ihre Vorgängerin, die sie respektvoll „Frau Monheim“ nennt, das Geschäft gegründet, sagt Sonja Belowa. Deshalb feiert sie ab Montag eine Woche lang den 80. Geburtstag ihres Ladens – alles kostet dann weniger als sonst.

Allzu viel weiß Sonja Belowa nicht über die Geschichte ihres besonderen Geschäfts. 1972 fing die heute 56-Jährige dort als Ferienaushilfe an. „Damals war Frau Monheim schon über 80 und kam nur noch selten ins Café, seit sie es 1966 einem Pächter übergeben hatte.“ 1978 übernahm Sonja Belowa den Laden als Pächterin inklusive der Rezepte für 15 Sorten Eis. „Das waren relativ einfache Sorten. Solchen Schnickschnack wie heute gab’s nicht. Die Leute waren damals froh, überhaupt ein Eis zu haben.“ 25 Pfennig kostete eine Kugel 1972.

Heute bekommt die kleine Mandy, die gerade zur Tür hereinkommt, für vier Euro drei Eiskugeln und etwas Wechselgeld. Für jedes der drei kleinen Pferdeschwanzmädchen an Sonja Belowas Tresen eine Kugel: zwei Mal Zitrone, einmal geröstete Mandel. „80 Cent sind eigentlich viel zu teuer“, sagt die Eiscaféinhaberin und sieht einen Moment lang ein bisschen unglücklich aus. Aber sie könne nicht weniger nehmen, die Milch werde nun mal immer teurer und auch alles andere, das sie braucht, um ihren kleinen Eisladen zu betreiben. „Eis ist heute Luxus und nicht mehr wie früher ein ganz normales Lebensmittel.“ Aber Sonja Belowa ist eigentlich viel zu zufrieden mit ihrem Beruf, als dass sie lange unzufrieden sein könnte: „Eisverkaufen ist schön, man gibt den Leuten etwas, über das sie sich freuen. Ich versüße ihnen das Leben“, sagt sie und lacht. Sie trägt weiß wie eine Arzthelferin und wirkt sehr sportlich. Bevor sie im Eiscafé anfing, hat sie Fleischerin gelernt, mag das aber eigentlich gar nicht erzählen: „So furchtbar war das, so furchtbar.“ Eisverkäuferin habe sie dagegen schon als Kind werden wollen.

Jetzt, am Anfang der Eissaison, steht sie den ganzen Tag allein im Geschäft. „Im Frühling kann ich mir keine Aushilfen leisten.“ Im Sommer, wenn bis zum späten Abend die Schlange nicht abreißt, ist das anders. An diesem Wochenende gibt es schon mal einen kleinen Vorgeschmack auf die Eishochsaison: Der Frühling hat endlich die Wintertemperaturen vertrieben. Zeit, um die Eissaison so richtig zu eröffnen und ein bisschen an der Glückseligkeit zu schlecken. Daniela Martens

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