Eisenbahnmarkthalle in Kreuzberg : Kleine Läden statt großer Ketten

30.03.2011 07:32 UhrVon Christoph Spangenberg
  • Für die Eisenbahnhalle in Kreuzberg wurde am Montag ein neues Konzept vorgestellt. - Foto: Markthalle Neun
  • Ein Konzept stammt von der Planungsgruppe Markthalle Neun. Innen könnte die Halle künftig so aussehen. - Foto: Markthalle Neun
  • Neben dem Markt... - Foto: Markthalle Neun

Zwei Investoren konkurrieren mit ihren Konzepten um die Kreuzberger Eisenbahnmarkthalle. Die Anwohner wollen mitreden bei der Gestaltung des historischen Bauwerks.

Die Kreuzberger gucken genau hin, wenn es um die Zukunft ihrer Markthalle IX in der Eisenbahnstraße geht. Als dort am Montagabend zwei Investoren ihre Konzepte vorstellten und die Anwohner nicht nur mit den Plänen, sondern auch mit zur Schau gestellter Kieznähe auf ihre Seiten ziehen wollten, hakten diese lieber bei Finanzierung und Zielgruppe nach.

17 Bewerber wollten die Halle in der laufenden Ausschreibung für die festgelegten 1,15 Millionen Euro kaufen. Übrig geblieben sind zwei: die Gruppe „Markthalle Neun“ um Nikolaus Driessen sowie Helmut Russ von BerlinZauber, Veranstalter des Weihnachtsmarkts auf dem Gendarmenmarkt.

Beide Konkurrenten möchten einen Markt mit vielen kleinen Läden, mit Fischbude, Bäcker, Fleischer und Käsehändler. Russ will 3,5 Millionen Euro investieren und die Halle auf einmal umbauen. Er versprach, dass die Filialisten Kik, Aldi, Kamps und Drospa spätestens Mitte 2012 verschwunden seien.

Die Halle – in der Eisenbahnstraße liegt sie im Abschnitt zwischen Wrangel- und Muskauer Straße – wurde 1891 eröffnet. Driessen und Mitstreiter, teilweise zugezogene Bayern und selbst Anwohner, bespielen sie bereits seit zwei Jahren teilweise und wollen sie schrittweise umbauen. Im Oktober soll mit einem Wochenmarkt begonnen werden. Mit dem stufenweisen Rückbau der Filialisten bis 2015 soll die Halle häufiger aufmachen, der Markt größer werden und mehr Mieter finden. Driessen will ein Zentrum im Kiez, wo man sich trifft und tratscht. Um Inges Cafébar sind Schauküche und Tribüne geplant. Die Prinzessinengärten sollen bleiben und im Keller Pilze gezüchtet werden. Vier Millionen Euro wollen Driessen und Mitstreiter investieren. Wie Russ wollen auch sie die Verträge mit den Kleinmietern verlängern.

Russ will auch Kunsthandwerk ansiedeln und an den Wänden eine Galerie bauen. Innerhalb eines sozialen Projekts sollen Kinder in einem Sportbereich im Untergeschoss und in einer Cateringküche etwas über Ernährung und Sport lernen. Veranstaltungen sind bei beiden Teil des Konzepts. Driessen sprach von Erntedankfest, Kochen mit Schulklassen und Flohmärkten, Russ von Jazz-Brunch oder Auftritten von Starkoch Kolja Kleeberg und Band. Mieter hätten beide schon genug, sagten die Investoren.

Das Publikum befürchtete, dass Einkommensschwächere in der Markthalle bald keinen Platz mehr haben könnten. Preise wie in der Marheinekehalle im besser situierten Kreuzberg 61 wollten sie nicht. Soweit soll es laut Bewerbern nicht kommen.

An diesem Mittwoch fällt eine Arbeitsgruppe der Wirtschaftsverwaltung einen Vorentscheid über die Vergabe, darunter ist auch Kreuzbergs Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne). Der will die Businesspläne genau prüfen. Die neuen Händler müssten die benötigten Umsätze machen. „Und wenn die Filialisten weg sind, ist die Halle ohne Events schwer bespielbar“, sagte Schulz. Endgültig bestimmt der Aufsichtsrat die landeseigenen Berliner Großmarkt GmbH als Eigentümerin, die im Februar 2010 nach Bürgerprotesten gegen mehr Supermärkte in der denkmalgeschützten Halle entschieden hatte. Daraufhin kam es zur Ausschreibung. Die Meinung der anwesenden Kreuzberger war am Montag jedenfalls eindeutig: Sie stimmten überwiegend für Driessens stufenweisen Umbau.

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