Berlin : Eisenmans Tour de Beton

Der Architekt des Holocaust-Mahnmals ist in Berlin. Samstag entscheidet er, welcher Baustoff-Mix die Stelen prägt

Volker Eckert

Der Architekt Peter Eisenman hat die Stelen für das Mahnmal für die ermordeten Juden Europas abgesegnet. Eisenman, der sich gestern in Berlin aufhielt, besuchte das Betonwerk Geithner und Söhne in Joachimsthal bei Eberswalde und begutachtete dort die ersten Prototypen. Am Sonnabend wird der Architekt die Betonquader noch einmal auf der Baustelle in Augenschein nehmen, um eine letztendliche Auswahl zu treffen.

Bei Geithner und Söhne war man am Donnerstag nach dem Besuch des Stararchitekten hoch zufrieden. „Es war top“, frohlockte der Leiter Betontechnologie, Hartmut Völkerling. Jetzt könne man mit der Serienproduktion beginnen. Zwei Stunden war Eisenman auf dem Gelände der Firma, ließ sich den Produktionsablauf erklären. Eisenman sei „ein Mensch wie du und ich“, sagte Geschäftsführers Bodo Rothert am Ende beruhigt. Man habe sich über Gott und die Welt unterhalten. Worüber genau? Rothert: „Über Beton.“

Die Wilhelmshavener Firma hat aus ihrer Niederlassung in Joachimsthal schon Teile für zahlreiche Berliner Großprojekte geliefert: das Kanzleramt, mexikanische und malaysische Botschaft, das neue Tempodrom. Zuletzt arbeitete man monatelang zusammen mit verschiedenen Instituten an der richtigen Mischung für die 2751 Stelen. Schon die Zusammensetzung der Metallschalen, in die gegossen wird, bedarf aufwendiger Tests. Die Rezepturen sind streng geheim. Eisenman ließ sich regelmäßig Fotos nach New York schicken, um zu sehen, ob der von ihm gewünschte anthrazitfarbene Ton getroffen sei.

Nach einem Abstecher nach Wien kehrt Stararchitekt Eisenman am Sonnabend zur letzten Begutachtung der Stelen nach Berlin zurück. „Da will er noch einmal sehen, wie sie bei dem Licht dort wirken“, erläuterte die Geschäftsführerin der Stiftung Mahnmal für die ermordeten Juden Europas, Sibylle Quack. Zehn Exemplare, die sich in der Betonzusammensetzung ganz leicht unterschieden, würden bis dahin dort aufgestellt. Dann muss Eisenman entscheiden, welcher Typ sich tausendfach auf dem Feld ausbreiten soll.

Die Stelen werden alle das gleiche Grundmaß von zirka 2,40 mal einem Meter haben, während die Höhe zwischen etwa zwanzig Zentimetern und vier Metern schwankt. Durch die Anordnung wird das Feld eine sanft gewellte Oberfläche erhalten. Die Produktion der Quader wird nach Angaben von Sibylle Quack voraussichtlich im September beginnen. Ein Jahr hat die Firma Zeit, um die mehr als 2700 Stück herzustellen. Zum 60.Jahrestag der deutschen Kapitulation, am 8. Mai 2005, soll das Mahnmal dann schließlich eröffnet werden.

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