Berlin : Eishallen-Streit: Diepgens Powerplay gegen die Eishockey-Cracks

Brigitte Grunert

Im heftig entbrannten Streit zwischen Senat und Berliner Eissportklubs um den Abriss der Eissporthalle in der Jafféstraße meldete sich gestern der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) aus dem Urlaub mit einer überraschenden Auslegung des Sportförderungsgesetzes zu Wort. Demnach sei der Senat nicht verpflichtet, den Berlin Capitals eine Ersatzhalle zu stiften. Dies steht im Gegensatz zu früheren Senatsaussagen. "Das Gesetz eröffnet vielmehr dem Senat die Möglichkeit, Sportanlagen aufzugeben, wenn das öffentliche Interesse an einer anderen Nutzung überwiegt. Dies ist eindeutig der Fall. Wir brauchen einen neuen Eingang für die Berliner Messe", erklärte Diepgen.

Bisher hatte auch Sportsenator Klaus Böger (SPD) stets erklärt, man müsse gemäß Sportförderungsgesetz Ersatz für die Eissporthalle in Charlottenburg schaffen. Deshalb sollte die Deutschlandhalle nebenan zur Eissporthalle umgebaut werden. Doch nahm der Senat davon Abstand. Offenbar hat er den Gesetzestext erst jetzt genau studiert. Dort ist nämlich seit einer Änderung von Ende 1997 die Schaffung von Ersatzgelände nicht mehr vorgeschrieben. Eberhard Diepgens Interpretation sei "zulässig", sagte Klaus Böger gestern. Auch er sehe keine zwingende Beeinträchtigung des Sportbetriebes durch den Abriss. Es sei legitim, dass die Berlin Capitals und die Eisbären "für eine Übergangszeit gemeinsam die Eissporthalle im Sportforum Hohenschönhausen nutzen".

Eisbären: "Kaltschnäuzig"

Dagegen betonte der neue Präsident des Landessportbundes (LSB), Peter Hanisch, unter Berufung auf Paragraph 7 des Sportförderungsgesetzes, die Aufgabe von Sportstandorten aus städtebaulichem Grund ziehe zwingend die Schaffung von Ersatzkapazität nach sich. Die "Behauptung der Nichtbeeinträchtigung des Sportbetriebes ist eine hanebüchene Verdrehung der Berliner Sportstätten-Wirklichkeit." Der Generalbevollmächtigte der Berliner Eisbären, Martin Müller, meinte: "Schon der Beschluss zum "ersatzlosen Abriss einer intakten Sportstätte ist Frevel genug. Das Übergehen der Rechtslage setzt der Kaltschnäuzigkeit die Krone auf." Eine Initiative "Rettet den Berliner Eissport" mit Vertretern des LSB, des Eissportverbandes, der Capitals und der Eisbären will gegen den Abriss klagen.

Der Senat hatte mit dem Haushaltsentwurf 2001 den Abriss der Eissporthalle nach Ende der Eishockey-Saison 2001 wegen der Messe-Erweiterung beschlossen. Capitals und Eisbären verwies er auf Hohenschönhausen. Böger lässt daher dort eine Erweiterung der Zuschauertribünen prüfen. Außerdem lasse er "Ersatzmaßnahmen für den Amateureissport für eine Million Mark auf der alten Eissportfläche am Glockentrum" prüfen, sagte er gestern. "Wir wissen, dass eine große, leistungsfähige Halle nötig ist", so Böger, "aber öffentliche Mittel stehen dafür nicht zur Verfügung". Auch wolle man privaten Investoren die Chance bieten. Pläne hierfür gibt es in Siemensstadt.

Diepgen appellierte an die Einsicht der Vereine. Alles sei eine Frage der vernünftigen Organisation. Auch Kooperationen mit anderen Eishallen seien denkbar. Die Capitals als Profiklub könnten auch andere Vorschläge zu unterbreiten. Böger warf den Vereinen "öffentliche Beschimpfungen und Beleidigungen des Senats" vor. Die Eisbären stünden beim Senat "mit 600.000 Mark Hallennutzungsgebühren in der Kreide, die Capitals mit um die 200.000 Mark".

Die Gegenrechnung

Martin Müller kündigte "Aufrechnungsklage" an: "Wir haben schon eine Million Mark für dringend notwendige Modernisierungsarbeiten in die Eishalle in Hohenschönhausen gesteckt. Ohne diese Investitionen wäre der Wellblechpalast in einem trostlosen und maroden Zustand."

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