Berlin : Eissporthalle: SPD-Spitze streitet um Abriss

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Der Senatsbeschluss zum ersatzlosen Abriss der Eissporthalle in der Jafféstraße im nächsten Jahr stößt nicht nur bei den Eishockey-Verbänden auf Protest, sondern überraschend auch bei SPD-Fraktionschef Klaus Wowereit auf Kritik. "Es ist ein Trauerspiel, wie der Senat mit dem Thema umgeht", findet Wowereit. Er vermisst ein "Gesamtkonzept" für den Breitensport und eine verbindliche Regelung für die Berlin Capitals. Nur die Messe-Gesellschaft habe ihre Interessen zu Lasten des Sports durchgesetzt: "Sie will sich nicht an den Kosten für Ersatz beteiligen und kann sich zurücklehnen. Das Druckmittel gegenüber der Messe ist durch diesen Senatsbeschluss weg." Der ersatzlose Abriss, dem das Parlament noch zustimmen muss, stößt auch bei der CDU auf Vorbehalte.

Sportsenator Klaus Böger (SPD) hatte den Senatsbeschluss erst am Dienstag bekräftigt. Auch Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner (CDU) hatte über Ersatzgelände für die Capitals nachgedacht. Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen hatte im Streit mit den Sportverbänden erklärt, der Senat sei zu Ersatz nicht verpflichtet. Der Senat verweist die Capitals für eine "Übergangszeit" zu den Berliner Eisbären nach Hohenschönhausen. "Das halte ich für fatal", sagte Wowereit: "Wer die Eissportszene und ihre Fan-Clubs kennt, weiß, dass sie das ablehnen und dort keine Heimat finden." Zudem kenne niemand die Dauer der Übergangszeit; die Pläne von Privatinvestoren zum Bau einer Halle in Siemensstadt sind nicht unterschriftsreif. Auch müsse man vor dem Abriss wissen, welche Nutzungsmieten die Capitals dort zu zahlen hätten.

Böger reagierte mit der Aufforderung an seinen Parteifreund Wowereit, Sparalternativen zu nennen: "Man kann nicht den Haushalt sanieren wollen und zugleich Geld fordern." Für die Kostenbeteiligung der Messe sei er auch, aber dafür müssten der Finanzsenator, der im Aufsichtsrat der Messe sitzt, und der Wirtschaftssenator sorgen. Berlin sei im Übrigen keine geteilte Stadt mehr; daher sei es den Capitels und Eisbären zumutbar, sich in Hohenschönhausen zu arrangieren. Er verteidigte den ersatzlosen Abriss der Halle in der Jafféstraße als "taktisch günstig", um den Privatinvestoren zu zeigen, "dass sie gebraucht werden".

Für die Amateure, vor allem Jugendvereine, will Böger Ersatzgelände schaffen. Für Kinder und Jugendliche sei Hohenschönhausen auch zu abgelegen. Böger will das alte Eissportgelände in der Glockenturmstraße herrichten und überdachen lassen. Dies werde aus dem 100-Millionen-Programm für die Schul- und Sportstätten-Sanierung finanziert. Auch gebe es Trainingsmöglichkeiten in den Eishallen Wedding und Wilmersdorf sowie in Lankwitz.

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