Berlin : Eisverkäufer stehen im Regen

Häagen-Dazs am Ku’damm ist bedroht, weil der Vorbau abgerissen werden soll

Cay Dobberke

Für das „Häagen-Dazs“-Eislokal am Kurfürstendamm 224 läuft die Schonfrist ab: Bis Anfang November muss der Vorbau auf dem Gehweg abgerissen werden, der das Bezirksamt seit Jahren stört. Nun fürchten die Eisdielen-Betreiber Dania und Oliver Lehwald die Pleite. Betroffen sind auch zwei weitere Filialen. An der Steglitzer Schloßstraße schließt Häagen-Dazs bereits zum Monatsende. Die Wirte sagen dazu, dass die Filiale kaum Profit bringe und man wegen der Probleme am Ku’damm „personell umstrukturieren“ müsse. Der dritte Eisladen am Zoo-Palast in der Hardenbergstraße sei ebenfalls bedroht. Acht Mitarbeitern wurde schon gekündigt, weitere siebzehn Arbeitsplätze stehen auf der Kippe.

Die gläsernen Vorbauten von Lokalen waren einst typisch für den Ku’damm. Doch in den 80er Jahren beschloss das Abgeordnetenhaus, dass sie nach und nach verschwinden sollen. Auch die meisten Bezirkspolitiker finden, das Flanieren entlang der Schaufenster werde erschwert und das Stadtbild beeinträchtigt. „Die Sichtbeziehungen gehen verloren“, sagt der Charlottenburg-Wilmersdorfer Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU). Nach der Schließung des Cafés Möhring, des Restaurants Kopenhagen und einer Burger-King-Filiale mussten auch deren Veranden weichen. In anderen Fällen gilt ein Bestandsschutz, der erst bei einem Betreiberwechsel endet. Über Vorbauten verfügen noch mehrere Steakhäuser, zwei Hamburger-Schnellrestaurants, das „Kempinski- Eck“ und das Restaurant „Novo Skopje“.

Als die Eheleute Lehwald ihr Café im Frühjahr 2000 von der Häagen-Dazs-Kette übernommen hatten, war die Erlaubnis zur Gehwegnutzung seit drei Jahren abgelaufen. Im folgenden Herbst drohte das Bezirksamt den Zwangsabriss der so genannten Schankveranda an. Schließlich kam es zu einem Aufschub um drei Jahre. Der Vorbau ist mit 4,20 Meter Länge und einer Fläche von 15 Quadratmetern der kleinste am Boulevard, aber laut Oliver Lehwald wichtig für den Laden. Sonst bleibe den Gästen „keine Aufenthaltsmöglichkeit“ auf den restlichen 24 Quadratmetern. Und bei schlechtem Wetter sei es unzumutbar, draußen zu warten. Vielleicht bleibe die Eisdiele künftig im Winter geschlossen. Ob man den Umsatzausfall im Sommer ausgleichen könne, sei aber fraglich.

Kurzfristig bedroht ist die Firma durch die auf 75000 Euro veranschlagten Abrisskosten. „Wenn die Banken nicht mitspielen, sind wir sofort insolvent“, so Lehwald. Denn Investitionen in die Läden führten zu 200000 Euro Schulden. Die Wirte wandten sich auch erfolglos an den Senat. Lehwald beklagt die „Ungerechtigkeit“, dass Bausenator Peter Strieder (SPD) für die Wurstbude am Pariser Platz gekämpft habe, das Eislokal jedoch nicht rette.

Baustadtrat Gröhler will hart bleiben, um die Ku’damm-Richtlinie nicht aufzuweichen. Außerdem sei „der Eisverkauf ja weiter möglich“. Gröhler hatte den Aufschub als damaliger Wirtschaftsstadtrat gewährt und meint, die Wirte hätten längst einen Ersatzstandort finden können. Diese erwidern, sie hätten sich zum Beispiel um Räume im Europa-Center und im Neuen Kranzler-Eck bemüht. Weil Eis aber schon im Restaurant Mövenpick und im Café Carras verkauft werde, hätten die Centerbetreiber abgewinkt.

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