Berlin : Ekelfleisch: Senat bedauert Amtspanne

Mehr Salmonellen – aber nicht durch Gammeldöner

Sabine Beikler

Nach dem Gammelfleischfund bekräftigte Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linkspartei/PDS) am Montag in einer Sondersitzung des Gesundheitsausschusses, dass gesundheitliche Risiken auszuschließen sind, wenn das Geflügelfleisch sachgerecht weiterverarbeitet wird. Am 21. September wurden 95 Tonnen Putenfleisch sichergestellt und 25 Proben entnommen, von denen 19 beanstandet wurden. Zwölf waren mit Salmonellenkeimen infiziert. Schon vor dem Fund waren rund 43 Tonnen aus der Lieferung in den Handel gelangt. „Wir haben sieben Betriebe in fünf Bezirken ausfindig gemacht“, sagte Lompscher. Ob das Fleisch, das zur Dönerverarbeitung verwendet wurde, ebenfalls infiziert war, ließ sich nicht mehr feststellen.

Wie schon in der öffentlichen Anhörung zu dem Thema vergangene Woche bedauerte die noch vor der Senatsbildung zuständige Senatorin Heidi Knake-Werner (Linkspartei) die Informationspanne in der Verwaltung: Die Behördenspitze wurde erst am 8. Dezember darüber informiert. „Ich hätte sicher die Öffentlichkeit darüber informiert, wenn ich von dem Fund gewusst hätte“, sagte Knake-Werner.

Der Opposition reichten die Erklärungen nicht. Viele Fragen seien unbeantwortet geblieben, sagte CDU-Politiker Mario Czaja. Der Verbraucherschutz habe nicht funktioniert, sagte FDP-Politiker Kai Gersch. Der Grünen-Abgeordnete Michael Schäfer hielt der Senatorin vor, dass drei Wochen vor dem Gammelfleischfund die Zahl der meldepflichtigen Salmonellen-Erkrankungen in Berlin gestiegen seien: „Dafür möchte ich eine Erklärung.“

Auf Tagesspiegel-Nachfrage bestätigte das Robert Koch-Institut (RKI) eine Zunahme von Salmonellen–Erkrankungen in diesem Zeitraum. Zwischen 28. August und 3. September registrierte das RKI 106 Fälle, 2005 waren es im gleichen Zeitraum 32 Fälle. Klaus Stark, Leiter für Magen-Darm-Infektionen beim RKI, hat für diese Steigerung eine einleuchtende Erklärung: „In einer Steglitzer Kita brachen zu dem Zeitpunkt Salmonellen aus. Allein 109 Kinder erkrankten an infiziertem Joghurt“, sagte Stark. „Wir haben keine Hinweise auf Salmonellen durch Dönerverzehr.“

Bisher nicht bestätigt hat sich der Verdacht, dass über 10 000 Würstchen, die auf dem Weihnachtsmarkt am Opernpalais sichergestellt wurden, verdorben sind. „Es liegen noch keine Ergebnisse vor“, sagte Hans-Joachim Bathe-Peters, Leiter des Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsamtes Mitte. Weihnachtsmarkthändler Joseph Nieke hatte wie berichtet erklärt, dass der Vermerk der Haltbarkeit auf den Packungen durch einen Unfall verloren gegangen war. Nieke hat selbst ein eigenes Gutachterbüro eingeschaltet.

Testergebnisse stehen laut Bathe-Peters auch noch für einen am Freitag sichergestellten Fund von drei Tonnen Kalb- und Geflügelfleisch aus.

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