Ekellokale : Licht in die Schmuddelecken

Verschimmelte Zwiebeln, Thermometer in 15 Grad warmem Fleisch und jede Menge schmuddeliger Ecken: Die Berliner können sich nun selbst ein Bild machen, wie es in den Betrieben auf der Ekelliste zum Zeitpunkt der Kontrollen ausgesehen hat.

Werner Kurzlechner
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In diesem Hähnchenhaus war das Gemüse völlig verschimmelt. -Foto: Lebensmittelaufsicht Pankow

Um Punkt 12 Uhr aktualisierte der Bezirk wie angekündigt seine Liste und veröffentlicht erstmals auch Fotos über die beanstandeten Zustände. Allerdings sind lediglich zu zwölf von den 23 seit mehreren Wochen gelisteten Betrieben Bilder eingestellt. Die zur Beweissicherung gemachten Aufnahmen hätten oft keine Aussagekraft für die Öffentlichkeit, heißt es im Bezirksamt. „Der Datumsstempel auf einer abgelaufenen Lebensmittelpackung ergibt nur im Protokoll unserer Kontrolleure Sinn“, sagte ein Sprecher.

„Es ist ungerecht, jetzt diese alten Fotos zu veröffentlichen“, schimpft Miam Akmal Latif, Betreiber des Restaurants „Sangeet“ an der Kastanienallee. Sechs Aufnahmen von vergangenem Juli zeigen etwa brüchige Fliesen und eine verschmutzte Mikrowelle. Latif verweist darauf, dass der damalige Rattenbefall in den Lagerräumen nur wenige Tage gedauert habe – was die Liste im Netz auch bestätigt. Die Sauberkeitsmängel habe er weitgehend beseitigen lassen. Er werde mit Hilfe seines Rechtsanwalts weiter gegen die Anprangerung seines Lokals kämpfen, so Latif.

Ekel-Lokale in Pankow
Ekellisten wird es wohl nicht in ganz Berlin geben, kontrolliert wird trotzdem.Weitere Bilder anzeigen
1 von 25Foto: dpa
29.07.2009 08:29Ekellisten wird es wohl nicht in ganz Berlin geben, kontrolliert wird trotzdem.



Neu auf der Negativliste sind – allesamt mit Fotos – drei Lokale. Die Pizzeria „I Due Forni“ an der Schönhauser Allee wurde im März zwischenzeitlich sogar von den Behörden geschlossen. Neben Schmutz in Küche und am Tresen stellten die Kontrolleure dort „starken Gärfliegenbefall“ fest. Frisch auf der Liste sind außerdem der „Florya Imbiss“ an der Langhansstraße in Weißensee, wo den Prüfern zu warm gelagertes Geflügel auffiel, und die Filiale von „Balzac Coffee“ an der Schönhauser Allee. Dort werden zerschlissene Wände und Schmutz beanstandet.

Die geringe Anzahl an Neuzugängen wertet Bezirksstadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) als Erfolg. „Ursprünglich hatten wir 20 Betriebe in der Pipeline“, so Kirchner. Wegen der drohenden Veröffentlichung mit Fotos hätten viele der Gaststätten Missstände noch beseitigt. Von nun an solle die Dokumentation auch mit Bildern die Regel werden, kündigte der Stadtrat an. „Außerdem werden wir die Liste jetzt jeden Freitag aktualisieren.“

„Wir halten nichts davon, dass mit veralteten Fotos die populistische Karte gespielt wird“, so kritisierte Klaus-Dieter Richter, Vizepräsident des Hotel- und Gaststättenverbandes Berlin.

Im Internet: www.berlin.de/pankow

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