Berlin : Eklig, eifrig und ritterlich

Beobachtungen am Rande der Wahl

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Vor allem in den ländlichen Regionen mussten sich viele Brandenburger auf einen veränderten Weg zu ihrem Wahllokal einstellen. Vielerorts waren die bisher genutzten Schulen oder Kindertagesstätten seit der letzten Wahl geschlossen worden. Während sich darin die dramatische Abwanderung und die niedrige Geburtenrate in den Gebieten zeigten, standen aber auch viele Gaststätten in diesem Jahr nicht für die Wahl zur Verfügung. Sie waren langfristig für Familienfeiern gebucht worden – weit vor dem Beschluss zur vorgezogenen Bundestagswahl.

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Wegen der Schabenplage nach dem Großbrand auf der Deponie in Bernau mussten in zwei Orten die Wahllokale verlegt werden. In Löhme bei Werneuchen und in Schönwalde waren die Räume der Freiwilligen Feuerwehr wegen Kakerlaken-Alarm gesperrt. Die Schaben hatten sich während der Brandbekämpfung in den Anzügen und an den Fahrzeugen versteckt und wurden so mit in die Depots transportiert. Jetzt müssen Kleidung und Räume erst chemisch desinfiziert werden.

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Der kleine Ort Rosenwinkel im Landkreis Ostprignitz-Ruppin erwarb sich bei der Bundestagswahl 2002 eine überregionale Aufmerksamkeit. Denn von den 102 Wahlberechtigten gaben 99 ihre Stimme ab. Das bedeutete eine Wahlbeteiligung von 97,06 Prozent. Wie eine Nachfrage gestern ergab, wurde die Tradition auch diesmal wieder fortgesetzt. Die meisten der 139 Einwohner, von denen sich die Hälfte im Rentenalter befindet, hatten schon bis zum frühen Nachmittag ihre Stimme abgegeben.

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Eine geringe Wahlbeteiligung wurde diesmal wieder in den Brandenburger Justizvollzugsanstalten erwartet. Erfahrungsgemäß macht nur ein Drittel aller Insassen vom Stimmrecht Gebrauch. Anhänger rechter Parteien allerdings verzichten der Erfahrung nach kaum auf den Gang zur innerhalb der Gefängnismauern aufgestellten Wahlurne.

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Das Wahllokal mit dem schönsten Namen konnte auch diesmal wieder der kleine Ort Kürbiskrug bei Königs Wusterhausen bieten. Hier wurde die Urne erneut in der Gaststätte „Zur Ritterlichkeit“ aufgestellt. Das Lokal hat sich auf mittelalterliche Traditionen spezialisiert. Ste.

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