„Ekso-Skelett“ : Wie ein Gehroboter helfen kann

Der Gehroboters „Ekso-Skelett“ hilft querschnittsgelähmten Menschen beim Laufen. Der Berliner Sebastian Erhardt benutzt das Spezialgerät.

Luisa Jacobs
Auf Augenhöhe. Sebastian Erhardt im Gehroboter-Anzug.
Auf Augenhöhe. Sebastian Erhardt im Gehroboter-Anzug.Foto: Paul Zinken/dpa

Ein bisschen Muskelkater im Bauch habe er nach dem ersten Mal gespürt. „Aber sonst ist es nicht besonders anstrengend“, sagt Sebastian Erhardt, der seit einem Kletterunfall 2012 querschnittsgelähmt ist. Der 35-Jährige Diplom-Geologe war der erste Berliner, der im November 2013 mithilfe des Gehroboters „Ekso-Skelett“ laufen konnte. „Ich war so etwas wie ein Versuchspatient“, erzählt der Berliner heute lachend, das schwarze Skelett wieder um den Körper gespannt.

Etwa 30 Patienten haben seitdem im Vivantes Klinikum Spandau und im Vivantes Humboldt-Klinikum in Berlin mit den sogenannten Ekso-Skeletten trainiert. Laut Jörg Wissel, Chefarzt der Neurologischen Frührehabilitation in Spandau, sind mindestens 500 Schritte am Tag nötig, damit der Körper die Abläufe des Laufens wieder erlernt. „Ohne Geräte braucht man dafür aber drei Krankengymnasten, die die Bewegungen führen“, sagt Wissel. Mehr als zehn Schritte seien dann kaum am Stück zu schaffen. Mithilfe des Gehroboters können Patienten um die tausend Schritte am Tag machen. „Das Ekso-Skelett ist ein echter Fortschritt in der Frührehabilitation“, sagt Wissel. Doch das Gerät der amerikanischen Firma Ekso Bionics eignet sich nicht für alle Patienten. Gelähmte müssen mindestens die Arme einsetzen können, um das Gerät zu bedienen.

Selbstständig laufen kann er auch nicht mit Gehroboter

Ähnlich wie das Skelett eines Hummers verläuft das Ekso-Skelett außen über Hose und Schuhe des Patienten. Das nachgebaute Nervensystem läuft von Sensoren an den Füßen am Bein entlang zum zentralen Steuersystem – ein kleiner Computer, den der Patient auf dem Rücken trägt. Zwei elektronische Hüft- und Kniegelenke führen die Bewegungen aus. Die Impulse dafür sendet der Patient selbst durch Bewegungen im Oberkörper.

Erhardt, der vom Rumpf an vollständig gelähmt ist, dient das Training vor allem der Stabilisierung. Selbständig laufen kann er auch mit dem Gehroboter nicht, denn zur Sicherheit wird jeder Lauf von einer geschulten Physiotherapeutin begleitet. „Aber es ist schon ein tolles Gefühl, sich mal auf Augenhöhe zu begegnen“, sagt der 35-Jährige.

Chefarzt Wissel ist optimistisch, dass in Zukunft auch der Traum vom Laufen in Erfüllung gehen wird: „Ich bin überzeugt, dass Patienten in 20 Jahren mit den Robotern ganz einfach über die Straße spazieren werden.“

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