Berlin : Elefant macht die Mücke

Keiner wollte Emmanuel Enis 20-Tonnen-Skulptur. Jetzt wird der Betonriese feierlich verschrottet

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Der Rüssel ist schon leicht gekappt, sonst passt der Elefant nicht auf den Schwertransporter. Und Emmanuel Eni, seinem Erschaffer, geht es auch mies: „Mein Herz ist gebrochen.“ Drei Jahre hat der freie Künstler an seiner Skulptur gearbeitet, 20 000 Euro für Materialien ausgegeben. Was dabei herausgekommen ist, nennt Eni ein „Sinnbild für die Einzigartigkeit der Natur“. Ein zehn Meter langer, dreieinhalb Meter hoher Elefant aus Stahlbeton. Heute Abend wird von dem Kunstwerk nur noch Schutt übrig sein: Eni lässt es auf einem Spandauer Schrottplatz in einer öffentlichen Zeremonie zerstören.

Der Elefant sollte Teil eines Skulpturenparks werden, im Hinterhof von Enis früherem Atelier in Weißensee. Nur wurde der Park nie eingerichtet, stattdessen haben sie dort einen Spielplatz gebaut. Der Künstler fühlte sich getäuscht.

Seitdem hat der Nigerianer, der 1997 nach Berlin kam, viele Briefe geschrieben. Unter anderem bot er Klaus Wowereit den Elefanten als Geschenk an, dessen Mitarbeiter antworteten mit einem höflichen Schreiben: „Fürwahr handelt es sich nach erstem Eindruck um ein höchst beeindruckendes künstlerisches Werk – was sowohl die räumliche Dimension als aber auch die ihm innewohnende Botschaft anbelangt.“ Jedoch falle das Aufstellen von Kunst im öffentlichen Raum in den Zuständigkeitsbereich des Kultursenators. Der lehnte dankend ab. Auch an die Bezirksbürgermeister hat sich Eni gewandt, und viele hätten zunächst Interesse bekundet. Aber eben immer nur zunächst. Der 40-Jährige sagt, er sei nicht verbittert. Aber aufgebracht. „Erst machen sie dir Versprechungen, dann lassen sie dich fallen. Aus Spaß vielleicht!“

Jetzt möchte Emmanuel Eni das Drama beenden. „Ich muss den Elefanten zerstören, sonst werde ich krank.“ Heute Nachmittag bringt der Lkw das Tier auf einen Spandauer Schrottplatz. Um 16 Uhr wird es dann, im Beisein von Zuschauern, von einer Stahlkugel zertrümmert. Zum Abschied gibt es Livemusik und Ansprachen, ein Mathematikprofessor hält einen Vortrag zum Thema „Der Elefant ist tot – es lebe der Elefant“. Das klingt komisch, aber Eni meint es ernst. Und er hofft, dass im letzten Moment doch noch jemand einschreitet und ihm einen Stellplatz für die Skulptur anbietet. „Ein normales Land würde nicht zulassen, dass Kunst zerstört wird.“ Falls sich herausstellen sollte, „dass Deutschland tatsächlich so ein barbarisches Land ist“, will sich Eni Gedanken machen. Vielleicht sogar in die USA umziehen.

Vorher ist er noch Anfang November bei Stefan Raab im Fernsehen zu Gast. Nicht wegen des Elefanten, sondern wegen eines aktuellen Projekts: Eni will eine israelische und eine palästinensische Flagge zusammenschweißen und sie Israels Ministerpräsidenten Ehud Olmert schenken. Allerdings hat dieser noch nicht gesagt, ob er sie auch wirklich haben will.

Die Zertrümmerung des Elefanten beginnt heute um 16 Uhr in der Entsorgungsstelle Graf, Nonnendammallee 11 in Spandau. Zuschauer sind willkommen, Infos gibt es unter www.emmanuel-eni.de

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