• Elefantenrennen: Elektrozaun, aber ohne Strom - Indischer Botschafter nach Kritik nicht dabei

Berlin : Elefantenrennen: Elektrozaun, aber ohne Strom - Indischer Botschafter nach Kritik nicht dabei

Annette Kögel

Das Elefantenrennen findet am Sonntag in Dahlwitz-Hoppegarten statt - trotz Bedenken von Tierschützern und Kritik sogar aus Indien. Wie der zuständige Amtstierarzt vom Kreis Märkisch-Oderland, Martin Fritzsch, sagte, habe er die Bescheinigungen der Zirkuselefanten geprüft, und aus tierschutzrechtlicher Sicht "spricht nichts dagegen". Der indische Botschafter, Ronen Sen, hat am Tage des Elefantenrennens anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Republik Indien indes "andere Verpflichtungen", sagte eine Botschaftsmitarbeiterin. Unterdessen wurde bekannt, dass die Elektrobänder an den Seiten des Geläufs nicht mit Strom geladen sind. Nach Auskunft einer Sprecherin der Veranstaltungsagentur Brennecke und Hoffmann ist das Sicherheitskonzept in Kooperation mit den Ordnungsbehörden nach Kritik von Tierschutzverbänden, von Nina Hagen und Brigitte Bardot und zuletzt auch vom Verband Deutscher Zoodirektoren sowie der Arbeitsgemeinschaft Artenschutz (Aga) nicht verschärft worden. Die Aga hat sogar Strafanzeige gegen die Veranstalter vom "Cup des Maharadscha" gestellt.

"Wir haben alle Sicherheitsauflagen erfüllt und alles Menschenmögliche getan", sagte Sprecherin Carola Schneider. Die Sicherheitskräfte müssten eher dafür sorgen, dass kein Kind auf die Bahn läuft, als dass sich ein Elefant Richtung Publikum in Bewegung setze. Die Frage, ob für den Notfall scharfe Waffen bereit stünden, verneinte sie. Mit Randale militanter Tierschützer oder Böllerwürfen rechnen die Veranstalter nicht; an Applaus, laute Musik und Trubel seien die Tiere gewöhnt.

Zwei mit Großwild erfahrene Tierärzte werden "Mogli", "Kenia II" oder auch "Laika" mit Mahouts auf dem Rücken in Jeeps auf der 300 Meter langen Strecke begleiten, bestätigte Fritzsch. Gestern habe er die "Cites"-Bescheinigung geprüft, die 14 Zirkuselefanten seien alle registriert, Verstöße gegen das internationale Artenschutzabkommen lägen nicht vor. Geprobt wird erneut am Freitag. "Es geht hier um eine Zirkusveranstaltung mit etwas schnellerem Laufen. Wenn ein Elefant die Nase voll hat, kann er geradewegs zurück in sein Quartier gehen." Anders als bislang vermutet, stehen die Elektrobänder nicht unter Strom. "Stellen Sie sich vor, wie viele Menschen gegen das Band drängen" - und einen Schlag bekommen könnten. "Wenn ein Elefant in Panik gerät, wäre so ein Band außerdem völlig lachhaft", sagte Fritzsch. Die Tiere würden die - auch dort stromlosen - Bänder auch beim Zirkustraining als Begrenzung akzeptieren.

Der Berliner Tierarzt Kai Rödiger ist einer der beiden Veterinäre mit Betäubungsgewehr. "Dass jegliche Gefahr ausgeschlossen ist, kann so niemand behaupten." Er habe jedoch weder aus sicherheitstechnischer noch aus tierschützerischer Sicht Einwände: "Das sind Zirkuselefanten, die sich kennen und auch nicht gemischt laufen." Sie langweilten sich eher, "und niemand kann etwas sagen gegen Bewegung von Tieren an der frischen Luft." Bei den Wetttipps mit einer Mark gehe es eher um den Spaß, und "den Tieren winkt am Ende ein Leckerli". "Das Elefantenrennen passt uns genau ins Konzept", sagte Eckart Clausen, Geschäftsführer der Eigentumsgesellschaft der Galopprennbahn Hoppegarten GmbH auf Anfrage. Das "kleine Stück Landschaft im Grünen" werde so kommerziell gestärkt, künftig soll die Bahn eher für Events, Open-Air-Konzerte und Wirtschaftstreffen vermietet werden. Der Veranstalter der Pferderennen, der Union Club e.V., leide wie andere Renn-Organisatoren am nachlassenden Interesse beim Pferdesport. Die Grundpacht für Hoppegarten betrage 20 000 Mark, Union bekomme für die 18 Renntage Ermäßigung. Clausen rechnet vor allem wegen Verkäufen von Rennbahn-Grundstücken damit, "künftig einen zweistelligen Millionenbetrag reinzuspielen". Für das Rennen sind bislang 19 000 Karten verkauft (Kinder bis 7 Jahre freier Eintritt).

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