Elektro-Autos bei der Polizei : Kommissare unter Strom

Sogar die Berliner Polizei setzt mittlerweile auf E-Mobility - 10 Elektro- und 24 Hybrid-Autos sollen den CO2-Ausstoß der Behörde senken. Nur mit dem Aufladen klappt es nicht immer.

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Foto: Polizei Berlin

Polizisten haben Vorbilder im Straßenverkehr zu sein. In Berlin soll das nicht nur für den Fahrstil gelten, sondern offenbar auch für die Fahrzeuge selbst: 2012 erweiterte die Berliner Polizei ihre Flotte um elf Autos mit Elektro- und Hybridantrieb. Mittlerweile hat sich diese Zahl mehr als verdreifacht; zehn elektrische und 24 Hybridfahrzeuge verwendet die Berliner Behörde derzeit. Auch ihre Zweiräder sollen bald an die Stromzufuhr angeschlossen werden: Ab Mitte 2014 plant die Polizei, mit einer E-Bike-Staffel in Berlin unterwegs zu sein.

„Initiative 120“ lautet der offizielle Titel des Projekts, mit dem die Polizei ihre CO2-Bilanz auf unter 120 Gramm pro Kilometer senken will: „Vor dem Projektstart lag der CO2-Ausstoß unseres Fuhrparks durchschnittlich bei 245 Gramm pro Kilometer, mittlerweile liegt der Wert bei 228 Gramm“, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich.

Ruhige Jobs mit kleinen Pannen

Eingesetzt wurden die elf Stromer ab 2012 zunächst für eher ruhigere Jobs: Funkstreifendienst in Steglitz-Zehlendorf, Objektschutzstreifen und Logistikaufträge. Bis auf wenige Ausnahmen verliefen die Fahrten laut Redlich ohne Komplikationen: In drei Fällen klappte das Aufladen nicht, das lag an defekten Ladesäulen.

Der Stromverbrauch des Blaulichts – ein häufiges Argument gegen elektrische Polizeifahrzeuge – falle nicht gravierend ins Gewicht. Und auch mit der immer wieder thematisierten Reichweite gebe es keine Probleme: „90 Prozent aller Funkstreifenfahrten liegen unter 100 Kilometern und lassen sich mit einem voll aufgeladenen Akku bewältigen“, sagt Redlich.

Allerdings: Bei der Hälfte aller Fahrten können die Akkus nicht mehr voll aufgeladen werden, die Phasen dazwischen sind zu kurz. Und für eine Teilaufladung unterwegs fehlen noch genügend Ladestationen. Doch insgesamt zieht Redlich ein positives Fazit: „Der polizeitechnische Sonderausbau ist ohne Einschränkungen oder gravierende Schwierigkeiten möglich.“ Nicht jeder elektrische Funkstreifenwagen müsse mit Strom „vollgetankt“ sein, praktikabel werde der Einsatz der Elektroautos aber erst, wenn es mehr Möglichkeiten zum Laden gebe.

Berliner Polizei war Vorreiter bei Elektromobilität

Anfang 2012 waren die Berliner Polizisten bundesweit die ersten, die sich ans Thema Elektromobilität herangewagt hatten. Auch in anderen Städten gehen die Uniformierten inzwischen teilelektrifiziert auf Verbrecherjagd: Hamburg nahm Mitte 2012 den ersten strombetriebenen Polizeiwagen in Dienst, Dresden, Leipzig und Chemnitz testen seit Ende 2013 elektrische Smarts. In Hannover, Braunschweig und Göttingen wurden Anfang dieser Woche sechs Elektroautos an die Polizei übergeben, zwölf weitere und zwei Hybride sollen in den nächsten Wochen folgen.

Auch in Berlin schließt man nicht aus, weitere Elektrofahrzeuge anzuschaffen, konkrete Pläne gibt es aber nicht. „Die Ausschreibungen lassen grundsätzlich auch die Beschaffung alternativ angetriebener Fahrzeuge zu“, sagte Redlich. Ausbaupotenzial ist jedenfalls vorhanden: Der Fuhrpark der Polizei umfasst rund 2 500 Fahrzeuge, der Anteil der Wagen mit Elektroantrieb liegt also noch unter zwei Prozent.

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