Elektromobilität : Flughafen unter Strom

Auf dem Gelände des stillgelegten Flughafens Tempelhof wird künftig jährlich eine Messe rund um Elektromobilität und Umwelttechnik veranstaltet. Am Sonntag gab es einen Vorgeschmack.

Stefan Jacobs
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Abgekartet. Was nach Geknatter und Gestank aussieht, verläuft auf dem »eDay« fast geräuschlos: Die Karts fahren ebenso elektrisch...Foto: Uwe Steinert

Die Zukunftsmaschine namens „Tesla“ leuchtet selbst im schattigen Hangar so orange wie ein Feuerstrahl. Wer zum ersten Mal einsteigt, stößt leicht mit dem Knie ans Dach. Die Schwerkraft fixiert den Besucher im Schalensitz auf der Beifahrerseite. Der Mann am Steuer stellt sich als Nicolas Fritsch vor und sagt: „Die 3,9 Sekunden von null auf hundert schaffen wir zu zweit vielleicht nicht ganz. Mal schauen.“ Im Schritttempo rollt der Renner zwischen staunenden Menschen entlang und summt dabei so leise wie der Lüfter an einem PC. Plötzlich schießt er dermaßen los, dass einem fast die Pupillen nach hinten klappen und der Bauchansatz sich nach innen wölbt. Vorn wird der Flughafenzaun erschreckend schnell größer, und links sagt Fritsch: „Schön, wie’s uns hier aus der Kurve rausträgt, nicht wahr?“

Wenn dieser Sonntagsausflug tatsächlich die Zukunft des Flughafens Tempelhof symbolisiert, dann stehen aufregende Zeiten bevor. Ein Jahr nach der Schließung hat die landeseigene Immobiliengesellschaft BIM an diesem Sonntag zum „eDay“ geladen. Der wird von den Erfindern des „Clean Tech Media Awards“ veranstaltet, einer Auszeichnung für bedeutende Umwelttechnikprojekte. Als er im September im E-Werk verliehen wurde, mussten viele Interessenten aus Platzmangel draußen bleiben.

Das soll nicht wieder vorkommen: Ab 2010 wird der „Umwelt-Oscar“ in Tempelhof verliehen – und mit einer Messe zum Thema Umwelttechnik und Elektromobilität verbunden, der „Clean Tech World“. Deren Premiere ist für September 2010 geplant. Auf die Preisverleihung folgen laut Veranstalter ein Fachbesuchertag und ein Wochenende fürs allgemeine Publikum. BIM-Geschäftsführer Sven Lemiss spricht von einem „Meilenstein für die Entwicklung dieses Standortes“ und vom Beginn einer neuen Marke.

Da fast alle Autokonzerne weltweit und eine Unzahl von Energieversorgern und Technologiefirmen an Elektrofahrzeugen arbeiten, könnten die großen Worte durchaus angemessen sein. Der „eDay“ an diesem Sonntag ist Fachbesuchern und einigen Hörern von „Radio Eins“ vorbehalten. Die haben sich inzwischen zu einer Schlange formiert, um auf die nächsten Probetouren mit dem „Tesla“ zu warten. Andere drehen mit Elektro-Minis, E-Karts und allerlei zweirädrigen Gefährten ihre Runden unterm großen Hangardach. Erkennungszeichen derer, die bereits gefahren sind – ganz gleich, womit –, sind die leuchtenden Augen. Tempo machen ohne Lärm und Gestank: Das fasziniert offensichtlich jeden hier.

Einer, der Fahrräder mit elektrischem Hilfsmotor verleiht, erzählt: „Die Dinger werden uns aus den Händen gerissen. Vor allem im Norden, wo es windig ist.“ Am Nachbarstand sagt die Frau von der Firma „Lautlos durch Deutschland“, dass ihr Unternehmen demnächst von Charlottenburg zum Regierungsviertel umziehen wolle, weil das der Bedeutung des Themas angemessen sei.

Zwischen den Messeständen sausen Besucher ganz locker mit den Elektrofahrrädern hin und her. Das historische Truppentransportflugzeug der US-Alliierten im Hangar sieht heute besonders alt aus. Der besondere Reiz des Ex-Flughafens, dass die Vergangenheit den Rahmen für Gegenwart und Zukunft bildet, funktioniert auch diesmal. BIM-Geschäftsführer Lemiss berichtet von rund 50 abgeschlossenen Mietverträgen und einer weiter wachsenden Nachfrage nach Veranstaltungen und nach Führungen durch die Gebäude und übers Rollfeld.

Die Organisatoren des „eDay“ schwärmen: „Wir fühlen uns sauwohl hier und wollen bleiben.“ Hinter ihnen läuft gerade wieder jemand vor den „Tesla“. Eines zeigt dieser Tag deutlich: Im Zeitalter der lautlosen Elektromobilität wird die Hupe eine Schlüsselrolle übernehmen müssen.

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