Berlin : Elektronikhändler Innova arbeitet mit Denkmalschutz zusammen

C. v. L.

Am Theodor-Heuss-Platz wird Ende nächsten Monats ein Hebekran auffahren und dem 40 Meter hohen Turm des ehemaligen "NAAFI"-Hauses der Briten eine leuchtende Krone aufsetzen: Neonreklame, die an die Lichtwerbung der späten zwanziger und frühen dreißiger Jahre erinnert; im Stil von einst ein neues Firmenzeichen, ein neues, altes Gesicht. Wie berichtet, hatte sich das Elektronik- und Küchenhaus Innova dafür eingesetzt, dass die Turmfassade und Neonwerbung unter Beteiligung der Denkmalpflege nach alten Plänen wieder hergerichtet werden. Nun wird eine "Lichtmarke" versprochen, die von allen Seiten der Stadt gut zu sehen sein wird.

Die Firma Telefunken hatte die Leuchtreklame vor 70 Jahren auf dem Dach des damaligen Amerika-Hauses installiert, in den frühen dreißiger Jahren nutzte das Unternehmen Continental die Werbefläche, und der "Conti-Turm" wurde zum Begriff. Unter den Nazis - der einstige Reichskanzlerplatz war inzwischen zum Adolf-Hitler-Platz geworden - musste die markante Lichtreklame als "Schandfleck" verschwinden.

Die Federführung bei der Planung hat der Architekt Ingbert Schnapp übernommen. Insgesamt werden nun 285 Meter rote, 165 Meter blaue und 220 Meter weiße Leuchtstoffröhren verarbeitet. Um die Lichtskulptur am Turm anbringen zu können, entsteht auf dem Dach ein Stahlgerüst in den Originalmaßen von 1929. An dem Gerüst werden die Leuchtstäbe wie bei der ersten Installation angeordnet, nur nicht mit dem Telefunken-, sondern mit dem Innova-Schriftzug. Die Kosten betragen rund 450 000 Mark, insgesamt investierte das Unternehmen als Mieter etwa vier Millionen Mark für den Umbau des alten NAAFI-Gebäudes. Das "Navy Army und Airforce Institute" auf bundeseigenem Grund hatte 1991 geschlossen.

Errichtet wurde das Gebäude von 1927 bis 1928 als eines von zwei Büro- und Geschäftshäusern an der Südseite des Platzes vom Bauunternehmer Heinrich Mendelssohn und seinem Architekten Heinrich Straumer. Der Bauhaus-Stil des modernen Stahlskelettbaus fand internationale Anerkennung, der Turm mit seiner Lichtwerbung, die als eine der ersten Neonreklamen Deutschlands gilt, war umstritten in der damaligen Architekturszene, wurde einerseits als leuchtende Marke gelobt, andererseits als städtebaulich überzogen kritisiert. Als der Architekt des Berliner Olympiastadions, Werner March, 1934 beim Anblick der Reklame "Schönheit und Anstand" vermisste, gingen bald darauf die Lichter aus.

Vier Jahre später begann hier der regelmäßige Studiobetrieb eines deutschen Fernsehsenders, selbst mitten im Krieg wurde noch gesendet. Nach 1945 wurde das Haus von den Briten als kulturelles Zentrum mit Kino genutzt. Bis 1991 arbeitete hier auch der britische Radio-Sender BFBS. Nach langen Jahren des Leerstands eröffnete Innova im vorigen Jahr großzügige neue Verkaufsflächen. Davon wird nun bald weithin sichtbar die neue Werbung auf dem Dach künden.

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