Berlin : Elektronisches Lastschriftverfahren: EC-Kartenboykott von Kaufhof zu Ende

Tobias Arbinger

In der Kaufhof-Filiale am Alexanderplatz werden ab sofort wieder EC-Karten der Deutschen Bank 24 angenommen. Darauf hätten sich Einzelhandelskette und die Bank verständigt, sagte gestern ein Kaufhof-Sprecher. Das Unternehmen hatte in der Filiale Karten der Deutschen Bank 24 zeitweise boykottiert. Zuvor war es dort zu einer Reihe von Fällen gekommen war, bei denen Kunden mit Karten bezahlt hatten, die gesperrt waren. Sperren lässt man EC-Karten unter anderem bei Verlust oder Diebstahl. Die Deutsche Bank 24 verweigerte dem Kaufhof die Erstattung der Lastschriftrechnungen, die durch "faule" Karten zustande kamen. Der Kaufhof habe in der Filiale deshalb "vermehrt Ausfälle" verbuchen müssen, sagte der Firmensprecher.

Nach Auffassung der Deutschen Bank 24 hat Kaufhof die Ausfälle selbst zu verantworten. Das von ihr genutzte elektronische Lastschriftverfahren sei besonders anfällig für Missbrauch, sagte Deutsche-Bank-24-Sprecher Klaus Winker. Bei den Nutzern der Karten handelt es sich offenbar um organisierte Kriminelle. Weder der Kaufhof-Sprecher noch Winker wollten dazu gestern konkrete Angaben machen. Auch zur Höhe des Schadens und zur Zahl der Missbrauchsfälle gaben sie keine Auskunft.

Am Dienstag hatte Winker gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters noch gesagt, "organisierte Gruppen" nutzten gefälschte oder gestohlene Karten. "Fälschung und Diebstahl" sei ein Thema, mit dem man in der Branche "schon lange zu kämpfen" habe, sagte Winker gestern. Bei Kaufhof am Alexanderplatz habe sich die Lage zugespitzt. Der Kaufhof und der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) hatten Reuters gegenüber vermutet, die Bank habe EC-Karten an nicht kreditwürdige Kunden ausgegeben.

Geplatzte Forderungen im Lastschriftverfahren kämen im Einzelhandel häufiger vor, sagte gestern Stefan Schneider vom Einzelhandelsverband HDE. Seiner Einschätzung zufolge halten sich durch ungedeckte Konten verursachte Ausfälle bisher "in Grenzen". Zahlen darüber gebe es aber nicht, sagte Schneider. Ein Sprecher von Karstadt sagte, man habe "vereinzelt die gleichen Probleme" wie der Konkurrent, jedoch nicht in dem Maße, dass Karten einer Bank nicht mehr akzeptiert werden könnten.

Derzeit sind mehrere Zahlungssysteme auf dem Markt, darunter das Electronic-Cash- und das POZ-System der Banken, sowie einfache Lastschriftverfahren anderer Anbieter. Beim Elektronic-Cash-System wird beim Bezahlen an der Kasse online geprüft, ob das Konto des Kunden gedeckt ist. Beim POZ-System greift die Kasse auf eine Datenbank zurück, in der gesperrte Scheckkarten registriert sind. Bei den, für die Händler billigeren, einfachen elektronischen Lastschriftverfahren fehlen solche Sicherheitsbarrieren. Von den Banken gesperrte EC-Karten können von ihnen nicht identifiziert werden.

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