Berlin : Elfjähriger beim Glücksspiel erwischt

Polizei kontrollierte acht Internet-Cafés und notierte zahlreiche Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz

Jörn Hasselmann

Die Polizei hat am Donnerstagabend bei Kontrollen von acht Internet-Cafés in Kreuzberg und Neukölln einen Elfjährigen beim verbotenen Glücksspiel in einem Internet- Café in der Kreuzberger Eisenbahnstraße erwischt – und nach Hause gebracht. Unter den 66 kontrollierten Gästen waren zudem neun Jugendliche im Alter zwischen 14 und 15 Jahren. Acht von ihnen spielten Gewalt-Spiele, die auf dem Index stehen, einer schaute sich Pornos im Internet an. Ein Café in Kreuzberg wurde vom Wirtschaftsamt sofort geschlossen, dort waren die meisten der Computer nicht angemeldet. Bei der Schwerpunktkontrolle schrieben die Beamten 16 Anzeigen – vor allem wegen Verstoßes gegen das Jugendschutzgesetz, das Urheberrecht, sowie wegen pornografischer oder jugendgefährdender Schriften. Weitere Anzeigen gab es wegen Verstößen gegen das Rauschgift- und Ausländergesetz.

Für die Experten des Landeskriminalamtes war es ein „normales“, weil durchschnittliches Ergebnis: Ein, zwei Kinder an den Computern und eine ganze Menge Jugendliche. Sie dürfen sich in den Cafés aufhalten, wenn sie dort surfen – verboten sind aber Gewaltspiele und Spiele an miteinander verbundenen Computern. Dann gelten die Läden nicht mehr als Internetcafés, sondern als Spielhallen – und dort dürfen sich Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren überhaupt nicht aufhalten, im Gegensatz zu den Internet-Lokalen.

„Kinder treffen wir selten an“, sagte Kriminaloberrat Michael Schultz gestern dem Tagesspiegel. „Unsere Problemgruppe ist zwischen 14 und 15 Jahre alt.“ Den Altersrekord beim verbotenen Gewaltspiel hält ein Sechsjähriger, den die Kripobeamten bei seinen Eltern abliefern mussten. Schultz nimmt auch das Wort „Verwahrlosungstendenzen“ in den Mund. Nach dem spektakulären zweitägigen Verschwinden des siebenjährigen Norbert Fromm ist die Polizei noch sensibler geworden. Wie berichtet, hatte ein Siebzehnjähriger das Kind beim Computerspielen in einem Kaufhaus am Alexanderplatz kennen gelernt. Norberts Mutter hatte ihn dort seit langem abends alleine an den Spielekonsolen „daddeln“ lassen. Am Montag schließlich kehrte Norbert nicht nach Hause zurück, sondern wurde von dem Jugendlichen zwei Tage lang in dessen betreuter Wohngemeinschaft versteckt.

„In den Kaufhäusern ist das Spielen zumindest umsonst“, sagte der Kriminalbeamte. Richtig ärgerlich sei, dass das Surfen und Spielen in den Internetcafés Geld kostet – zwischen einem und vier Euro – pro Stunde. „Die Gewerbetreibenden profitieren von den spielsüchtigen Jugendlichen“, sagte Schultz. Manche Jugendliche hatten schon mehrere 100 Euro verspielt oder „versurft“ als die Beamten kontrollierten – eine Summe, die den Taschengeldrahmen weit übersteigt. Häufig erleben die Beamten, dass die Kinder und Jugendlichen auf Druck der Betreiber eine vorgefertigte Erlaubnis ihrer Eltern dabei haben. Diese Erlaubnis kann das Jugendschutzgesetz jedoch nicht außer Kraft setzen, heißt es beim Landeskriminalamt (LKA). Seit April dieses Jahres werden die 160 Berliner Internet-Cafés intensiv überprüft – wegen des Jugendschutzes und um den Spielhallen das Deckmäntelchen „Internet-Café“ zu entreißen. Etwa 110 Betriebe dieser Art haben die Fahnder vom LKA nun schon „durch“. Immer mit dabei sind Vertreter der betroffenen Bezirksämter. Sie sind befugt, das Café bei Verstößen sofort zu schließen.

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