• Elisabeth II. zu Besuch: Das Bad in der Menge: Die Queen mischt sich, anders als Chatami, unters Volk

Berlin : Elisabeth II. zu Besuch: Das Bad in der Menge: Die Queen mischt sich, anders als Chatami, unters Volk

Lo.

Ihre Majestät Elisabeth II. kommt am Montag nach Berlin, landet gegen 18 Uhr in Tegel, dinniert und übernachtet in der Residenz des britischen Botschafters in Dahlem. Tags darauf weiht die Königin den Neubau der britischen Botschaft unmittelbar neben dem Hotel Adlon in der Wilhelmstraße ein. Am Dienstag um zehn Uhr 20 fahren die Queen und ihr Mann Prinz Philip am Portal des hellen Sandstein-Gebäudes mit den silbern glänzenden Metallbuchstaben "British Embassy" vor. 300 geladene Gäste begrüßen die Monarchin, die in der oberen, lichtdurchfluteten Halle in einer kurzen Rede vielleicht daran erinnern wird, dass sie am 21. Oktober 1992 das damals noch kahle Gelände, auf dem seit 1884 das - später im Krieg zerstörte und dann abgetragene - Botschaftsgebäude stand, besichtigt hatte. Dann wird sie eine Gardine beiseite schieben, hinter der eine Granitplatte mit den Worten "This Embassy was opened by Her Majesty The Queen Elizabeth II." zum Vorschein kommt. Gegen 12 Uhr 30, so steht es im Entwurf des minutiösen Besuchsprogramms, verlässt die Königin die Botschaft über die Außentreppe. "Kurzer Stopp auf dem Treppenabsatz, um die Zuschauer zu grüßen".

Nach der Weihe der Botschaft, in die in diesen Tagen 120 Mitarbeiter vom bisherigen Standort Unter den Linden zur Wilhelmstraße umziehen, fährt "Her Majesty" gegen 12 Uhr 35 zum Mittagessen mit dem Bundespräsidenten Johannes Rau ins Schloss Bellevue. Für 14 Uhr 40 ist ein Fototermin am Brandenburger Tor geplant, zehn Minuten später trifft die Queen am Osteingang des Reichstagsgebäudes ein, wo sie Bundestagspräsident Wolfgang Thierse begrüßt und sie durchs Haus führt. Natürlich kommt Reichstags-Architekt Sir Norman Foster eigens zu diesem Ereignis in die Hauptstadt. Die Königin blickt zwar in einen leeren Plenarsaal, da der Bundestag gerade Sitzungspause hat, trifft aber Besucher in der Kuppel, die nicht gesperrt ist.

Schon um 15 Uhr 35 drängt das Protokoll zur Weiterfahrt ins neue Gebäude des British Council, der englischen Variante des deutschen Goethe-Instituts, am Hackeschen Markt 1. Dabei ist "ein kleiner Spaziergang" vorgesehen. Nach 40 Minuten setzt sich der königliche Konvoi Richtung Flughafen Tegel in Bewegung, wo die Maschine Ihrer Majestät um 17 Uhr 10 abhebt.

Das neue Botschaftsgebäude von Michael Wilford wirkt außen wie innen mal sachlich, mal verspielt: Der Architekt hielt sich zwar genau an die Höhenvorgaben, aber schon die Fassade mit ihrem über zwei Geschosse reichenden horizontalen Schlitz, einem hervorspringenden hellblauen Balkon und dem violetten Rundbogen eines kreisförmigen Sitzungssaals lässt ahnen, dass das Haus im Innern alles andere als steif und würdig ist. Offenbar möchte Old England auch mit diesem Bau seine Tony-Blair-mäßige Modernität, Transparenz und Dynamik demonstrieren. Die Büros sind rund um einen lichtdurchfluteten Innenhof drapiert, im Mittelpunkt des Eingangsbereichs steht eine 45-jährige Englische Eiche - aus einer Hamburger Baumschule -, umgeben von Glas, Metall, grauem Naturstein und Stahl - jenen Materialien, die beim Blick durch das starke Metallgitter an der hellen Fassade in der Wilhelmstraße nur zu erahnen sind. So modern wie der Inhalt ist auch die Art des Zustandekommens des 75 Millionen Mark teuren Neubaus: Die Botschaft wurde von Bilfinger + Berger finanziert, gebaut und wird von einem deutschen Konsortium 30 Jahre betrieben.

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