Berlin : Eltern flößten vier Monate altem Säugling Droge ein

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In einer bundesweiten Großaktion sind Strafverfolger in der vorigen Woche gegen die so genannte Santo-Daime-Sekte vorgegangen. Zu deren Ritualen gehört es, bei abendmahlähnlichen Feiern zu Meditation und Gesängen ein aus Kräutern gekochtes Rauschmittel einzunehmen. Selbst seinem vier Wochen alten Säugling flößte ein Berliner Elternpaar den brasilianischen Sud ein, der ähnlich wie LSD wirkt. Bei dem Polizeieinsatz wurden Wohnungen in Steglitz, Esslingen (Baden-Württemberg) und Hannover durchsucht. Dabei wurden bereits am Mittwoch vergangener Woche mehrere Liter der Droge sichergestellt.

Wie die Polizei erst gestern mitteilte, gestand das 47 und 43 Jahre alte Berliner Ehepaar, seinen beiden nunmehr vier- und zehnjährigen Töchtern das bewusstseinserweiternde Rauschmittel bereits vor vier Jahren verabreicht zu haben. Rauschgiftvergehen verjährten allerdings erst nach fünf Jahren, sagte ein Rauschgiftfahnder gestern.

Bereits seit vergangenem Herbst ermittelt das Bundeskriminalamt (BKA) wegen Betäubungsmittelmissbrauchs gegen die Sekte. Das Steglitzer Ehepaar gilt als Statthalter der Santo-Daime-Bewegung in Berlin. Die von "Priestern" der Sekte in Brasilien hergestellte Droge, die als Fertigprodukt nach Deutschland geschmuggelt wird, heißt nach einem Angehörigen eines früheren Inka-Königs "Ayahuasca".

In der Inka-Kultur sieht die Sekte auch ihre Wurzeln. Weitere Ableger der Sekte gibt es der Polizei zufolge auch in Portugal, den Niederlanden und anderen europäischen Ländern. Während einer Gründungsveranstaltung der Sekte hatten BKA-Drogenfahnder im September 1999 im thüringischen Bad Berka fast 62 Liter des Rauschmittels sichergestellt. Es soll bei dauerhaftem Konsum Persönlichkeitsveränderungen und schizoide Psychosen hervorrufen.

Zu den Sektenmitgliedern gehören offenbar Angehörige sämtlicher Gesellschaftsschichten. In Hannover wurde bei einem Berater für Gesundheitsfragen für Großunternehmen ein Liter des Gebräus sichergestellt, bei einem praktizierenden Kinderarzt im schwäbischen Esslingen beschlagnahmte die Polizei zwei Liter.

Das Steglitzer Ehepaar befindet sich mittlerweile wieder auf freiem Fuß. Nach Auskunft der Polizei wird zwar wegen Verstoßes gegen des Betäubungsmittelgesetz ermittelt, Haftgründe hätten aber nicht vorgelegen.

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