Eltern verurteilt : Am Baby gezerrt wie am Seil

Die Eltern der kleinen Leonie zogen so brutal an ihr, bis ihr Bein brach. Eine Kurzschlussreaktion, sagt der Vater. Jetzt wurden sie verurteilt.

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Der Vater hielt die Beinchen fest, die Mutter die kleinen Arme. Sie zogen an dem sechs Monate alten Baby. „Wie irre, mit voller Kraft, ich wollte die Kleine auf den Arm nehmen, beruhigen, Vatergefühle erleben“, beschrieb der 30-Jährige. Er wollte es wissen. Die 23-jährige Mutter hielt dagegen. Sie rissen an dem Kind. Ein Tauziehen, das fassungslos macht. Sie brachen ihrem Mädchen ein Bein. Seitdem aber haben die Täter nur noch ein Ziel: Sie wollen gute Eltern werden.

Wie kommt es, dass zwei Erwachsene an einem Kleinkind zerren? Mit gesenkten Köpfen hörten die Eltern am Dienstag mehrfach diese Frage. Sie standen wegen Körperverletzung vor einem Amtsgericht. „Es tut uns sehr leid“, begann Sven K. seine Aussage. „Es hat sich aufgebaut“. Er war damals eifersüchtig, weil Beate J. besser mit dem Säugling umgehen konnte. Eine Kurzschlussreaktion sei es gewesen, erklärte er im Prozess um Körperverletzung. Die Kleine habe bei dem Gezerre „geweint wie verrückt“. Die Szene habe zehn bis 15 Sekunden gedauert. „Dann ließ er los“, sagte die Mutter.

Die Eltern erkannten sofort, dass sie Leonie (Namen geändert) verletzt hatten. „Wir haben einen Schreck gekriegt“, hauchte die Mutter. Sie kühlten, doch die Schmerzen wurden immer größer. „Sie hat dann nur noch geschrien“, sagte die Mutter. Laut Anklage waren drei bis zehn Tage vergangen, als sie endlich zum Arzt gingen. „Weil wir Angst hatten, dass man uns die Kleine wegnehmen würde“, gab K. zu. Leonie lebt seit jenem Novembertag nicht mehr bei ihnen.

Hoffnung aber gibt es. Die Angeklagten aus Hellersdorf, beide ohne Beruf und ohne Arbeit, nehmen inzwischen jede Hilfe an. Sie bemühten sich von Anfang an um Besuche bei Leonie, sie gehen zu Beratungen, sie zogen kürzlich in ein Familienprojekt, um den Alltag mit Kind zu erlernen. Das sprach für die Eltern. Doch es war ein erheblicher Übergriff. Das Gericht verhängte jeweils sieben Monate Haft auf Bewährung.

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