Berlin : Elton John war vielen zu teuer

Fans von hohen Ticketpreisen offenbar abgeschreckt

André Görke

Wäre bestimmt ein prima Bild gewesen: Elton John, wie er im bunten Kostüm auf sein rotes Piano eindrischt, während Feuerwerksraketen in den Himmel über dem Brandenburger Tor jagen.

„Ja, schade“, sagt daher Senatssprecher Michael Donnermeyer, „aber an uns lag es nicht, dass das Konzert abgesagt wurde“. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), so die Planung des Veranstalters, sollte sogar Ehrengast sein an jenem 22. Juni beim Spektakel in Berlin.

Die schlechte Nachricht kam nun, wie berichtet, am Dienstag aus Zürich. Dort sitzt der Veranstalter, der in einer dürren Mitteilung „von schwerwiegenden Differenzen“ mit dem Künstlermanagement sprach. Jene Differenzen hätten die „zeitgerechte, sichere und erfolgreiche Umsetzung“ der Tour gefährdet. Weiteres blieb unklar; ein Sprecher war nicht zu erreichen. Das Konzert jedenfalls ist abgesagt.

In Branchenkreisen wird nun spekuliert, und viele sind sich einig, dass die hohen Ticketkosten eine Rolle gespielt haben. „Was die Preise angeht – da hatten die einen an der Waffel“, wie eine große Ticketagentur sagt. Die teuersten der knapp 10 000 Karten – inklusive Vier- Gänge-Menü und Stühlchen mit Armlehne – kosteten 2300 Euro; der preiswerteste Platz sollte 170 Euro kosten. Mit Zäunen sollte die Straße des 17. Juni abgeriegelt werden; gesperrt wäre sie eh gewesen, weil einen Tag später der Christopher Street Day stattfindet mit der Abschlusskundgebung am Großen Stern.

„Es gibt eine Schmerzgrenze für Otto Normalverbraucher, und die wurde bei Elton John weit überschritten“, sagt auch der Chef der Kantkasse, Adi Fode. Allerdings hat er gehört, dass die teuersten Karten verkauft wurden – von Weltkonzernen für ihre guten Kunden. „Von den billigsten Karten dagegen haben wir nicht eine verkauft.“ Ähnlich äußerte sich auch Halime El-Ali von der Theaterkasse Zehlendorf. Die Tickets seien auch für die wohlhabendere Klientel zu teuer gewesen, sagte sie. „Wir hatten ganz wenig Anfragen“. Die genauen Verkaufszahlen waren nicht zu erfahren. Insider sprechen von „rund 3000 verkauften Tickets“ und mutmaßen, dass das Finanzierungskonzept ins Wanken geraten sein könnte. 22 Millionen US-Dollar war die Show teuer; abgesagt wurden auch die Konzerte in Sevilla, Paris, Moskau und Venedig.

Das Management hat mitgeteilt, die Konzerte später einmal nachzuholen. Dann vielleicht vor anderer Kulisse. Die VIP-Tribüne des Olympiastadions hatten die Veranstalter einst abgelehnt, obwohl es dort ein Dach, Logen und Stühle gibt. Das Stadion scheint bei Konzerten aber trotz seiner Größe gut anzukommen, „überraschend gut“, sagen Tickethändler. Sowohl für den Auftritt von Herbert Grönemeyer (13. Juni; ab 40 Euro) als auch für Genesis (3. Juli; ab 60 Euro) würden täglich Karten verkauft. Aber die sind auch billiger. Viel billiger.

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