Berlin : Elvis wichtelt mit seiner Ersatzfamilie

The Show must go on – auch an den Feiertagen. Da bleibt Berlins Bühnenstars nur Heiligabend zum Feiern

Arvid Kaiser

Elton John, Elvis Presley, Cher, Tom Jones, Michael Jackson und Frank Sinatra feiern Heiligabend dieses Jahr gemeinsam – in der kleinen mittelalterlichen Feldsteinkirche von Wildenbruch im Landkreis Teltow-Fläming. Ihre Doubles jedenfalls tun das, die in der Show „Stars in Concert“ im Hotel Estrel auftreten und über Weihnachten eine Spezialvorstellung mit amerikanischen Weihnachtsliedern geben. Für Künstler, die an den Feiertagen auftreten und nicht in Berlin zu Hause sind, kann Weihnachten nur ein Fest der Ersatzfamilie sein. Die meisten Shows haben an Heiligabend spielfrei. In manchen Häusern wird diese Gelegenheit genutzt, um diejenigen festlich zu unterhalten, die sonst andere unterhalten.

Die Stars-in-Concert-Darsteller hat ihr Produzent Bernhard Kurz zum Gottesdienst nach Wildenbruch eingeladen. Anschließend feiern sie bei ihm zu Hause. „Der ist sowieso ihr Ersatzpapa“, sagt Mihaela Djuranovic, die Sprecherin des Hotels. Marilyn Monroe, Madonna und andere Kollegen machen derweil einen Altstadtbummel in Dresden, wo die „Stars in Concert“ zurzeit einen Gastauftritt haben.

Beim Weihnachtscircus von Alois und Diana Spindler am Olympiastadion gibt es eine traditionelle Weihnachtszeremonie. Nach der Vorstellung am Nachmittag „kümmern sich die Damen ums Essen, die Herren erledigen Arbeiten auf dem Platz“, sagt Zirkussprecher Thorsten Brandstätter. Das Weihnachtsessen nimmt jeder im eigenen Wohnwagen zu sich. Dann besuchen sich die 14 Mitglieder der Zirkusfamilie gegenseitig zur Bescherung. Zum Schluss treffen sie sich im größten Wohnwagen und feiern gemeinsam.

Die 30 Darsteller des Musicals „African Footprint“, das zurzeit im Schiller-Theater gastiert, verbringen bereits ihr zweites Weihnachten in Berlin. Deshalb haben sich die Südafrikaner schon an die deutschen Temperaturen und die Adventsgemütlichkeit gewöhnt. Auch daran, dass sie nicht zu Hause im Swimmingpool feiern, sondern ihren spielfreien Tag mit deutschem Weihnachtsessen und Wichteln im Hotel verbringen.

Wichteln wird das Ensemble des englischsprachigen „Mamma mia“ im ICC auch, allerdings erst morgen und zwischen den Vorstellungen auf der Bühne. Die meisten der 60 Darsteller kommen aus England, wo es die Geschenke erst am 25. Dezember gibt. „Sie waren sehr lange nicht mehr zu Hause“, sagt Tourleiter Robert Fülöp. „Da sollen sie sich sehr heimisch fühlen.“ Deshalb bekommen sie heute auch ein englisches Büfett mit Truthahn und Cranberry-Sauce im Ballsaal des Hotels.

Die Kollegen des Musicals „3 Musketiere“ im Theater des Westens haben hingegen schon am vorigen Mittwoch gefeiert – und das ganz groß im eigenen Haus. Nach der Show trafen sich alle Mitarbeiter zum Sektempfang in der Kantine und wurden dann unter weihnachtlichem Trompetenspiel von der Empore ins Spiegelfoyer geleitet. Dort erwartete sie ein dreigängiges Festmenü von Starköchin Sarah Wiener. Zwischen den Gängen trugen die Musicalstars Gedichte und Lieder vor.

Morgen haben d’Artagnan, die Zirkusfamilie Spindler und Elvis Presley keine Zeit mehr für Festessen, Wichteln oder Gottesdienste. Der erste Weihnachtsfeiertag ist für sie wieder ein voller Arbeitstag mit Proben und Auftritten, damit Weihnachten für andere ein Fest wird.

Mehr zum Thema im Internet unter

www.stars-in-concert.de

www.3musketiere.de, www.mamma-mia.com

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