EM-Star Hakan Balta : Ein Berliner spielt für die Türkei

Vom CSV Charlottenburg in die türkische Nationalmannschaft: Wenn Hakan Balta bei der EM aufläuft, wird in seiner Heimatstadt Berlin mitgefiebert. Ein Besuch bei seiner Familie in der Gartenlaube.

Annette Kögel
Hakan Balta
Super-Hakan - olé, olé! Familie Balta gibt vorm Fernseher alles. -Foto: Uwe Steinert

Rosa Rosen, Tischtücher und Servietten in Rotweiß, blauer Himmel – und mitten im Grünen der Fernseher: Schöner hätte es Familie Balta zur EM-Premiere nicht treffen können. Klar, dass sich schon beim Auftaktspiel der Türkei gegen Portugal alle in der heimischen Gartenlaube in der Schöneberger Kolonie Wiesengrund trafen: Der Verteidiger mit der Nummer 3, der auch gegen Ronaldo auflief, ist Berliner – Hakan Balta, 25 Jahre alt, in Charlottenburg groß geworden, in der Türkei Nationalspieler und Superstar. Und weil schon vorher klar war, dass es gegen die Portugiesen in Genf nicht leicht werden würde, stärkte sich die 20-köpfige Fangemeinde vorsorglich mit Baguette, Auberginensalat und gerollten Weinblättern, um Kraft zu sammeln für die unentwegten „Hade, hade – los, los!“-Rufe beim Spiel, die dann letzlich doch nicht halfen.

Anfangs, als Hakan auflief, waren seiner Mutter Nesibe die Tränen gekommen. Ihr Sohn ging früher aufs Gottfried-Keller-Gymnasium, nun beherrscht er die hohe Fußballschule. „Hakan wollte selber Fußball spielen, nachdem er mit mir mal ein Spiel im Fernsehen sah“, erinnert sich Vater Faruk, ein Maschinenschlosser. Da war Hakan sechs. Der Junge lernte kicken beim CSV Charlottenburg, wechselte zu Siemensstadt, zu den Reinickendorfer Füchsen – dann mit Trainer Michael Wolf zu Hertha. Dort wurde der ruhige, athletische Linksfüßler, der in Trainingspausen gern zu Playstation oder Tennisschläger griff, mit der B-Jugend Deutscher Meister. „Eigentlich hieß es immer, Hertha wolle einen deutschen Pass für ihn besorgen, dann hätte er jetzt vielleicht für die Deutschen gespielt“, sagt Mutter Nesibe, 48 Jahre und gute Fee in einer Kitaküche. Doch vor fünf Jahren verpflichtete ihn das türkische Team Vestel Manisaspor, derzeit spielt der Berliner Junge bei Galatasaray Istanbul. Die Stationen der Karriere zeigen die Großformatfotos, die Hakans Tante Gülseren Tanir und seine 16-jährige Cousine Merve zur Dekoration überall an die Laube klebten.

„Früher wollte Hakan auch nur Deutsch sprechen, fließend Türkisch musste er erst lernen“, sagt seine Mutter, die ihm vor dem Spiel alles Gute gesimst hatte. Sie und andere Verwandte trugen gestern Hakans Originaltrikots, die er immer nach Berlin schickt, auch ihr Panini-Sammelalbum hatte sie dabei. Der Nationalheld kommt oft in die alte Heimat. In Berlin kennt ihn wohl jeder Türke. „Hakan hat sich nach einem Tor vor Freude den Ball unters Trikot geschoben“, weiß ein junger Fan aus Schöneberg – vor vier Wochen wurde Balta zum zweiten Mal Vater. Er ist nicht der einzige EM-Kicker aus Berlin: Die Kovac-Brüder aus Wedding spielen für Kroatien. Annette Kögel

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