Berlin : Emanuel-Lasker: Schachgenie, Einstein-Freund und Gegner der Nazis

Dagobert Kohlmeyer

Emanuel Lasker war der einzige deutsche Schachweltmeister. Sein Freund Albert Einstein bezeichnete ihn als einen der interessantesten Menschen, die er kennengelernt habe und fügte hinzu, dass es nur wenige gibt, "die eine so einzigartige Unabhängigkeit der Persönlichkeit mit warmem Interesse für alle großen Fragen der Menschheit verbanden". Der 1868 geborene Lasker war 27 Jahre lang Weltmeister - von 1894 bis 1921 - was keinem anderen Spieler gelang.

Am gestrigen 60. Todestag des Schachweltmeisters wurde in Berlin eine Internationale Lasker-Gesellschaft gegründet. Ihr gehören unter anderem Andre Lilienthal, ältester Großmeister der Welt aus Ungarn sowie die Großmeister Viktor Kortschnoi (Schweiz), Wolfgang Unzicker (München), Lothar Schmid (Bamberg) und Wolfgang Uhlmann (Dresden) an. Auch Edith Keller-Herrmann, die Grande Dame des deutschen Schachs aus Berlin, gehört zu den Gründungsmitgliedern des Vereins. Noch ein anderer Prominenter fand sich im Haus Ungarn ein: Der Gewinner des Millionärs-Quiz, Professor Dr. Eckhard Freise aus Münster, will die Lasker-Gesellschaft unterstützen. Der Historiker spielte in den 70er Jahren in der 2. Schach-Bundesliga.

Emanuel Lasker war jüdischer Herkunft. Er promovierte 1900 im Fach Mathematik, schrieb später philosophische Werke sowie Schachbücher und verfasste sogar ein Drama. Die längste Zeit seines Lebens lebte Lasker in Berlin. Im brandenburgischen Thyrow besaß er ein Landhaus als Sommersitz, das von der Lasker-Gesellschaft zum Schachmuseum umgebaut werden soll. Als politisch denkender Mensch bekämpfte Lasker den Nationalsozialismus aus seinen Exilländern Holland, Schweiz, Sowjetunion und USA. Er war eng mit Albert Einstein befreundet und starb am 11. Januar 1941 in New York.

Unter der Schirmherrschaft von Bundesinnenminister Otto Schily beginnt am heutigen Freitag in Potsdam eine dreitägige Konferenz zum Lasker-Jubiläum. Sie möchte unterschiedliche Aspekte der Geschichts- und Kulturforschung präsentieren, die jüdisches Geistesleben vor 1933 sowie Emigration und deren Folgen aufzeigen. Als einer der ersten Ehrengäste traf Andre Lilienthal aus Budapest ein. Der mit knapp 90 Jahren älteste Großmeister der Welt hat Lasker 1927 in Berlin im damaligen "Cafe König" zum ersten Mal getroffen und später in Moskau gegen ihn drei Turnierpartien gespielt. Eine gewann er und zwei endeten remis, berichtete Lilienthal gestern.

Zum Programm der Potsdamer Konferenz gehören am Freitagabend ab 19 Uhr ein Prominententurnier, an dem auch Otto Schily teilnimmt sowie ein Simultanspiel der Großmeister Viktor Kortschnoi (Schweiz), Robert Hübner (Solingen) und Raj Tischbierek (Berlin). Tagungsveranstalter sind das Moses-Mendelssohn- Zentrum in Potsdam sowie das Wilhelm-Faenger-Institut in Berlin.

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