Emotionale Frage : Polizeieskorte: BMW oder Moto Guzzis?

Wer eskortiert Staatsgäste – Moto Guzzi oder BMW? Motorradfahren ist eine emotionale Sache und der erste Eindruck zählt.

Sabine Beikler
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Guzzi gegen Gummikuh. Zusammen sind die beiden Modelle selten zu sehen. -Foto: ddp

BerlinSchon der erste Eindruck ist entscheidend. Angenommen, US-Präsident Barack Obama käme wie erwartet zum Mauerfalljubiläum im November nach Berlin. Wer würde Obamas Limousine „keilförmig“ begleiten, wie sich die Motorradeskorte offiziell formieren soll? Polizisten auf italienischen Moto Guzzis oder auf einheimischen BMW-Motorrädern?

Beide Marken stehen inzwischen im Fuhrpark der Polizei. „Für den Keil, also die Eskorte bei Staatsbesuchen, nutzen wir weiter BMWs“, sagt Thomas Neuendorf, stellvertretender Leiter der Polizeipressestelle. „Doof“ findet die Polizei die Guzzi zwar nicht, heißt es. Nur „irgendwie“ passe sie „nicht so ganz in das offizielle Erscheinungsbild“ – und eine Guzzi-BMW-Mischung bei den „Weißen Mäusen“ genannten Eskorte-Fahrern – das gehe nun gar nicht.

Außer den 35 neuen „Guzzi 850 Norge“ fährt die Berliner Polizei von BMW dreizylindrige K 75-Modelle und die R 850 RT, die bei Eskorten eingesetzt werden. Insgesamt hat der Fuhrpark 154 Maschinen. Welche Marke fährt denn besser? Die Gewerkschaft der Polizei kann dazu „noch nichts abschließend sagen“, sagt ihr Sprecher Klaus Eisenreich. Die 35 Guzzis seien noch nicht einmal 1000 Kilometer gefahren. Objektiv lässt sich der Unterschied kaum erklären: Motorradfahren ist eine sehr emotionale Angelegenheit.

Der Guzzi-Fahrer sagt: „Guzzi ist die älteste europäische Marke. Der Zweizylinder-V-Motor bewirkt mechanische Vibrationen. Durch die Schwungmasse kippelt die Maschine im Standbetrieb leicht nach rechts. Die Guzzi ist schnell, spritzig, agiler als eine weichgespülte BMW-Gummikuh. So viel Elektrik wie eine BMW will ich nicht.“ Der BMW-Fahrer entgegnet: „Wer auf BMW eingeschworen ist, findet vieles, was bei einer anderen Maschine nicht gefällt. Der Boxer-Motor hat ein kerniges Blubbern, ist aber nicht im Rennsegment, sondern eher im Touring-Bereich. BMW und Boxer-Motoren sprechen Sound, Emotion, Sicherheit und Komfort an. Und gegen elektrische Handwärmer habe ich auch absolut nichts.“

2008 hat das Unternehmen Piaggio, zu dem Guzzi gehört, eine europaweite Ausschreibung über 35 Motorräder gewonnen – sehr zum Ärger von BMW, die seit 40 Jahren ihre Zweiräder im Spandauer Werk produzieren. Das BMW-Angebot hatte nach Tagesspiegel–Informationen einen Umfang von etwa 600 000 Euro, Piaggio soll 150 000 Euro darunter gelegen haben. Doch wegen der europaweiten Vergabekriterien gab es keinen Heimvorteil.

Trotz der ab nächstem Jahr anstehenden Umstellung der Polizeiuniformen von Grün auf Blau sind die Guzzis alle in Grün-Silber geliefert worden. „Das sieht doch nicht gut aus, wenn grün uniformierte Kollegen auf blauen Motorrädern sitzen“, sagt Neuendorf. Die farbige Lederkluft der Polizei wird erst ab 2011 peu à peu ausgetauscht. Und die farbliche Umwandlung der Maschinen ist dann einfach: Grüne Folien werden abgezogen und blaue neu aufgeklebt.

Auch der gesamte Fuhrpark der Polizei mit 2220 Einsatzwagen ist nicht uniform: Da fahren VW, BMW, Mercedes-Benz und Opel herum – einige schon in Blau-Silber, die meisten noch grün. Ende November werden 20 blaue Opel Corsa für den Objektschutz und sechs Renault Traffic für Gefangenentransporte geliefert. „Wir setzen aber grün uniformierte Beamte in blaue Autos“, sagt Neuendorf. Das sei im Auto nicht so auffällig wie auf den Motorrädern. Es bleibt bunt bei der Polizei.

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