• Empörung und 600000 Euro für den Kardinal Bistums-Spendenaktion umstritten Prominente machen Druck

Berlin : Empörung und 600000 Euro für den Kardinal Bistums-Spendenaktion umstritten Prominente machen Druck

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Seit vier Wochen sammelt Kardinal Georg Sterzinsky Spenden – für sein Erzbistum. 600000 Euro sind bisher zusammen gekommen. Endgültige Bilanz soll im Januar gezogen werden. „Die Spendenbereitschaft zeigt, dass die vermutete Solidarität größer ist als oft angenommen“, sagt Bistumssprecher Stefan Förner. Ende November hat das Bistum 150000 katholischen Haushalten in Berlin Briefe geschickt, in denen der Kardinal persönlich um eine Spende für die Sanierung der Bistumsfinanzen bittet. Das Bistum muss über hundert Millionen Euro Schulden abbauen.

Der Aufruf hat nicht nur Zustimmung gefunden. Viele Gläubige empfinden den Brief als Zumutung. Sie wünschen sich, dass Kardinal Sterzinsky zurücktritt. Die Gemeinden St. Annen in Lichterfelde und Maria Frieden in Tempelhof haben ihre Empörung in einem Brief an die Bischofskonferenz zum Ausdruck gebracht. Die Gemeinden hätten keine Schuld an der Bistumskrise und müssten durch die Stellenkürzungen sowieso schon unverhältnismäßig dafür büßen, steht da. Die Unterzeichner befürchten, dass mit den jetzt erbetenen Spenden „nur momentane Haushaltslöcher“ gestopft werden, da diejenigen, die die Finanzkrise verschuldeten, immer noch an der Bistumsleitung stünden. „Solange keine persönliche Veränderung an der Bistumsleitung vorgenommen wird, werden wir dem Spendenaufruf nicht folgen, sondern statt dessen unsere Gemeinden unterstützen.“ Rudolf Heinisch von der Gemeinde Heilige Familie in Lichterfelde wirft dem Kardinal vor, seine „Aufsichtspflicht über mehrere Jahre grob fahrlässig verletzt“ zu haben. „Ein Rücktritt vom Amt des Erzbischofs wäre ein Gebot der Stunde. Dann werden sicher viele bereit sein, mit einer Spende zur Sanierung beizutragen.“

Kritik aus den Gemeinden, die Aktion habe mehr gekostet als sie einbringe, entkräftet Förner: 70000 Euro seien für Druck und Versand ausgegeben worden, das Honorar für die FundraisingAgentur GFS inklusive. Das Zehnfache habe man eingenommen. Der Vermögensverwaltungsrat, das höchste Finanzgremium des Bistums, wache darüber, dass das Geld zur Schuldentilgung genutzt werde und nicht in Haushaltslöchern verschwinde.

Für 2004 plant das Bistum eine weitere Spendenkampagne, die von einem Dutzend Prominenter aus Politik, Wirtschaft und Medien angestoßen werden soll, darunter der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Friedrich Merz und Hans Tietmeyer, der frühere Bundesbankpräsident. An Ostern soll es losgehen. Einige Prominente haben nun aber gefordert, dass das Bistum zuerst seine Finanzen offen legen müsse, bevor man seinen Namen für die Aktion hergebe. Das würde die vielen skeptischen Gemeindemitglieder sicher freuen. clk/M.G.

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