Ende der Bauarbeiten : Die Gedächtniskirche rüstet ab

Am Sonntag findet die "Nacht der offenen Kirchen" statt. Besucher können dann ein letztes Mal das Baugerüst der Gedächtniskirche erklimmen. Danach werden die Platten abgeschraubt.

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Die Gedächtniskirche auf dem Breitscheidplatz wird seit 2010 saniert.
Die Gedächtniskirche auf dem Breitscheidplatz wird seit 2010 saniert.Foto: dpa

Wie sah die Kirche doch gleich ohne Baugerüst aus? Ohne all die weißen Platten? Lange ist’s her, bald drei Jahre, seit Oktober 2010 wird an der Gedächtniskirche gebaut. Doch die Arbeiten sind bald beendet. Am 15. Juni werden an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche auf dem Breitscheidplatz die obersten 20 Meter des Baugerüsts entfernt.

Das markante Bauwerk – einst 113 Meter hoch, dann durch einen Bombentreffer im Krieg 1943 schwer beschädigt und gestutzt auf 71 Meter Höhe – wird dann wieder sichtbar sein in der City West. Am 15. September plant die Gemeinde den festlichen Gottesdienst zum Abschluss der Bauarbeiten, sagte Pfarrer Martin Germer dem Tagesspiegel.

Am Sonntag, wenn in der Stadt die traditionelle „Nacht der offenen Kirchen“ stattfindet, werde es noch einmal nächtliche Führungen auf dem Baugerüst der Kirche geben. Jede Stunde, von 16 bis 21 Uhr; man muss sich aber vorher in der Gedenkhalle anmelden. Später werden Besucher dann nur noch bis etwa zur halben Turmhöhe klettern können, der wird nämlich erst nach und nach von seinen weißen Platten befreit.

Die Gedächtniskirche
Bimm, Bimm, Bimm. Das Glockenspiel im alten Turm der Gedächtniskirche erklingt wieder. Feierlich ertönte der erste Schlag am 15. September 2013 um 12 Uhr.Weitere Bilder anzeigen
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01.10.2011 20:54Bimm, Bimm, Bimm. Das Glockenspiel im alten Turm der Gedächtniskirche erklingt wieder. Feierlich ertönte der erste Schlag am 15....

Der alte Turm der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche ist seit Oktober 2010 eingerüstet. Die Erschütterungen der unter der Kirche verlaufenden U-Bahn-Linie hatten den Mörtel in den Fugen der Mauersteine bröckeln lassen. Mit „Fugenpatenschaften“ warb die Gemeinde um Spender für die 4,2 Millionen Euro teuren Sanierungsarbeiten an dem Gotteshaus. 1,2 Millionen Euro kamen am Ende aus Spenden zusammen, daneben unterstützten die Lottostiftung, das Landesdenkmalamt und der Bund das „nationale Kulturdenkmal“ Gedächtniskirche, das weit als Mahnmal gegen Krieg und Zerstörung wirkt. „Heute können wir sagen, dass die Bauarbeiten im Kostenrahmen geblieben sind“, sagt Germer. Eigentlich, so die Planung beim Baustart, hätte die Sanierung 2012 beendet sein sollen.

Sonntag wird es auch in der neuen Gedächtniskirche ein Programm geben. Ein Abendmahlsgottesdienst unter dem Motto „500 Jahre Reformation“ und ein Chorkonzert mit dem Jugendchor der Christuskirche Bremerhaven stehen ebenso auf dem Programm wie Führungen in die Betonzwischenräume, wo Abend für Abend das blaue Licht des Gotteshauses entsteht.

Nach der Baustelle ist nur leider vor der Baustelle. „Wir haben erkennen müssen, dass die Betonwaben am neuen Glockenturm weitgehend desolat sind“, sagt der Pfarrer. Erst in den Jahren 1999 und 2000 war der Turm saniert worden, damals hatte die Gemeinde ein Plakat mit dem Konterfei von Claudia Schiffer zur Finanzierung der Sanierung am Turm der Kirche angebracht. Nun haben Fassadenkletterer den Turm untersucht und schon wieder zahlreiche Schadstellen gefunden. „Es ist leider ein Grundproblem unseres Betons, dass der Architekt Egon Eiermann damals wohl zu optimistisch war, was dessen Widerstandsfähigkeit betrifft“, sagt Germer. „Aber mit der Gedächtniskirche ist es eben so wie mit dem Kölner Dom: Irgendwo muss immer gebaut werden.“

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