Ende der Saison : Wassersportler streichen die Segel

Die Saison ist vorbei, die Boote werden winterfest gemacht, und trockene Plätze werden immer begehrter. Denn die Branche wächst - aber es gibt nicht mehr Liegeplätze.

Stefan Gerhard
Herbstidyll. Die Wassersportler – wie hier auf dem Müggelsee – haben ihre Saison beendet und ihre Boote nach und nach ans Land gezogen. Im April geht’s dann wieder los mit dem Frühjahrsputz. Foto: dapd
Herbstidyll. Die Wassersportler – wie hier auf dem Müggelsee – haben ihre Saison beendet und ihre Boote nach und nach ans Land...Foto: dapd

Die Segelsaison auf den Gewässern geht in diesen letzten sonnigen Tagen zu Ende. An der Scharfen Lanke waren Sven Strakeljahn und seine Freunde vor ein paar Tagen noch einmal an Bord, um bei böigem Wind den Saisonabschluss auf der Havel zu begehen. Nach dem Segeln war Mastlegen und Verstauen angesagt, dann wurden die Boote aus dem Wasser geslippt.

Auf dem Tempelhofer Feld brachte Caspar Asmus zur gleichen Zeit auf der Landebahn seinen rollenden Strandsegler in Position, während über dem ehemaligen Flugfeld bunte Drachen im Wind tanzten. Für Asmus ist die Segelsaison nicht zu Ende: „Ich übe hier fürs Eissegeln auf dem Müggelsee.“ Nur weniger Schnee auf dem Eis als im vorigen Winter wäre gut, sagte Asmus.

Auch am Steffenhorn am Stößensee bereiteten sich die Sportler auf die Wintersaison vor. Sönke Hucho reinigte den Mahagonirumpf seines 15er-Jollenkreuzers, zog das Boot dann auf den Bock. Dort bleibe es bis zum Frühjahr, sagte er. „Ab und zu werde ich mal nach meinem Schätzchen schauen,“ sagte Hucho, „weil man doch Sehnsucht hat.“

Nicht weit entfernt am Spandauer Pichelssee wird es bei Bootsstände Angermann jetzt eng. Anfragen nach Winterstellplätzen bei Berlins ältestem Wassersportunternehmen beantwortet Alexander Angermann in diesen Tagen salomonisch: „Im Freilager noch wenige, in der Halle nicht.“ Der Spandauer, dessen Großvater den Betrieb 1923 gründete, empfiehlt, sich im August und September um das Winterlager zu kümmern.

Obwohl die Bootsbranche nach Aussage des Wirtschaftsverbands Wassersport wächst – vor allem beim Chartergeschäft zwischen Elbe und Ostsee –, blieb die Zahl der Winterlagerplätze annähernd gleich. Einen leichten Zuwachs, sagte WVW-Geschäftsführer Max Hiller, gebe es allenfalls südöstlich vom Friedrichshainer Osthafen. Gegenüber der Insel der Jugend in Alt-Treptow eröffnete mit „Hafen & Hof“ an der Alten Flussbadeanstalt eine moderne Marina mit Hafenküche, aber ohne Winterliegeplätze.

Wie stark die Nachfrage nach überdachten Bootslagerplätzen in Berlin zugenommen hat, zeigt auch der rasche Wiederaufbau des im Januar teils niedergebrannten Wassersportzentrums „Marina Lanke“ in Wilhelmstadt. Das von einem Brandstifter gelegte Feuer vernichtete den Verwaltungstrakt sowie eine angrenzende Werfthalle aus dem Jahre 1919, in der unter anderem Bootsklassiker restauriert wurden.

Angesichts der guten wirtschaftlichen Aussichten ist das Verwaltungsgebäude schon nahezu wieder aufgebaut. Bis 2013 soll daneben eine neue Halle mit Platz für 25 Boote entstehen. Diese werde nicht mehr so hoch sein wie die alte Halle, so dass man darüber noch Wohnungen bauen könne, sagt Marina-Chef Peter Twelkmeyer.

Um die Kosten für das Winterlager zu sparen, werden viele Boote zum Saisonschluss verkauft. Mehr als 100 Bootseigner nutzen dazu jedes Jahr Deutschlands größten Hallen-Gebrauchtbootmarkt. Auf dem Messegelände werden im Rahmen der „Boot und Fun“ vom 18. bis 27. November gebrauchte Motor- und Segelboote direkt auf dem Trailer angeboten.

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