Berlin : Ende der Vorstellung

Die Uefa-Pokal-Niederlage von Hertha BSC verfolgten Hunderte im Kino – am Zoo und in Marzahn

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Lieselotte Röglin war gestern zum ersten Mal in Marzahn. Der 69jährigen Anhängerin von Hertha BSC war es am „Zoo Palast“ einfach zu voll. Die lange Schlange mit den aufgebrachten Fans brachte sie dazu, sich das Uefa-Pokal-Rückspiel von Hertha beim polnischen Verein Groclin Grodzisk in dem zweiten Berliner Kino anzusehen, das sich auf die Anfrage des Vereins hin bereit erklärt hatte, das Spiel zu übertragen. Die Reinickendorferin stieg in die S-Bahn, zum „LeProm“ in Marzahn.

Die Partie wurde nur in einem polnischen Fernsehsender gezeigt, der auch nicht über Satellit zu empfangen ist. So mussten die Fans zum Fußball ins Kino gehen. Auf Polnisch, ohne Untertitel. Vor dem Zoo Palast herrschte inzwischen Chaos. Im Vorverkauf hatten einige Fans Karten für vier Euro ergattert, andere gingen leer aus. Erst war alles ausverkauft, dann doch wieder nicht. Maskottchen Herthinho umarmte drinnen diejenigen, die es hinein geschafft hatten.

In Marzahn sah Lieselotte Röglin mit 300 anderen Fans und ein paar Polizisten einen langweiligen Fußballfilm. Als Herthinho nach der Pause auch das „LeProm“ besuchte, reagierte erst einmal niemand. In jeder Kneipe ist die Stimmung beim Fußball besser. Dann brachte er das Publikum doch kurz dazu, die Anfeuerungswelle La Olà zu machen – ehe er nach sieben Minuten wieder verschwand. Als Hertha das Spiel durch das Eigentor von Simunic verlor, wurde am Zoo „Stevens raus!“ skandiert. Michael Preetz, der auch hier gucken musste, hatte den Kopf auf die Hände gestützt, der verletzte Marcelinho war in seinen Kinosessel versunken.

In Marzahn wurde die Rückkehr des früheren Trainers Jürgen Röber gefordert. Das hat Lieselotte Röglin nicht gefallen, genauso wenig, wie hier Fußball zu gucken. Ins Kino könnte sie aber trotzdem gehen. Heute startet der Film „Das Wunder von Bern“. Da gewinnen am Ende die Richtigen. klapp/how

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