Berlin : Ende einer Flucht – und weiter viele Fragen

Drogenhändler nach zwei Wochen wieder in Haft

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Ismail F. hatte sein Äußeres stark verändert, der Pferdeschwanz war ab, Bart, Brille und Basecap verdeckten das Gesicht. Doch das nutzte ihm nichts. Die zweiwöchige Flucht aus der Haft wurde durch das Spezialeinsatzkommando der Polizei am Donnerstagabend beendet: Um 18.45 Uhr hatte man erstmals das Fahrzeug gesichtet, in dem neben F. zwei Männer saßen. Auf die Spur des Wagens war die Polizei über abgehörte Mobiltelefone von F.s Bekannten und Verwandten gekommen. Um 18.55 Uhr stoppte der Opel Astra vor einer roten Ampel an der Invalidenstraße in Mitte. Sofort sprangen schwerbewaffnete Polizisten aus ihren Limousinen, rissen die Türen auf und zerrten die drei Männer heraus. Seit gestern Nachmittag ist F. zurück in der JVA Tegel.

Begonnen hatte die Flucht vor zwei Wochen im Café Kranzler am Kurfürstendamm – ermöglicht durch eine ganze Kette von Fehleinschätzungen der Justiz und groben Fehlern zweier Justizangestellter. Stunden vor der Festnahme hatte Justizsenatorin Schubert zum zweiten Mal im Rechtsausschuss des Abgeordnetenhauses Rede und Antwort stehen müssen. Wie berichtet, wurde die Leiterin der Teilanstalt 5 im Tegeler Gefängnis, Monika L., beurlaubt. Gegen die Beamtin Q. läuft ein Disziplinarverfahren.

Monika L. hatte bei F. keine Fluchtgefahr gesehen und dem 1997 zu 12 Jahren Haft verurteilten Drogenhändler die halbtägige Ausführung gewährt, die F. dann zur Flucht nutzte. „Vollends unverständlich“, heißt es dazu in einem siebenseitigen Bericht der Justiz.

Ein Mithäftling urteilt knapper: „Ismail hat sich eingeschleimt“. Monika L. ist Diplom-Psychologin und in Tegel als Leiterin der Teilanstalt 5 Justizangestellte, nicht Beamtin, sie hat zudem eine Ausbildung in integrativer Gestalttherapie. Ismail F. wird von Mithäftlingen als „intelligent und clever“ beschrieben, die gleiche Wertung – „intelligent“ und „verlässlich“ findet sich im Bericht der Justiz, der am Donnerstag dem Rechtsausschuss vorgelegt wurde. In dem Bericht heißt es weiter: Monika L. habe „nicht hinterfragt, inwieweit es sich um reines Zweckverhalten handeln könnte, mit dem der Inhaftierte seinen Vollzugsverlauf in seinem Sinne zu beeinflussen versuchte“.

Von 1997 bis 2003 hatte die Justiz Ismael F. als Angehörigen der organisierten Kriminalität (OK) eingestuft und ihm deshalb keine Ausgänge gewährt – schließlich hatte F. bei seiner Festnahme neben 1,6 Kilo Kokain auch eine Maschinen- und diverse weitere Pistolen bei sich. 2004 war F. von der OK-Liste gestrichen worden – seitdem hatte es fünf jeweils durch zwei Männer begleitete Ausgänge gegeben.

Dass beim dritten Ausgang überraschend mehrere Ex-Mithäftlinge aus F.s Umfeld auftauchten, hatte keine Konsequenzen – auch dies sei ein schwerer Fehler, wie es in dem Bericht heißt. Vor zwei Wochen war F. dann nur von der Sozialarbeiterin Barbara Q., begleitet worden, die ihn im Kranzler alleine auf Toilette gehen ließ. Unklar ist immer noch, ob F. dort Helfer hatte. Da sich F. das Kranzler Wochen zuvor gewünscht hatte, sei dies anzunehmen, hieß es. Ha

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