Berlin : Ende einer Flugstunde

Eine Cessna überschlägt sich bei der Notlandung: Hatte der Flugschüler den Piloten attackiert?

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Überschlag in den Oberauen. Ein erfahrener Fluglehrer legt seine Cessna bei der Notlandung aufs Dach: Die Polizei vermutet einen Streit an Bord. Foto: dpa / Pleul
Überschlag in den Oberauen. Ein erfahrener Fluglehrer legt seine Cessna bei der Notlandung aufs Dach: Die Polizei vermutet einen...Foto: dpa

Wriezen - Möglicherweise war eine Auseinandersetzung zwischen dem Piloten und seinem Flugschüler die Ursache: Am Freitagabend hat sich ein Kleinflugzeug des Typs Cessna bei einer Notlandung in den Oderauen überschlagen. Beide Insassen überlebten. Der 51-jährige Mann, der Flugstunden nahm, rannte nach der missglückten Landung unter Schock davon und wurde erst gegen 21.10 Uhr, vier Stunden nach dem Unglück, von einem Fährtenhund gefunden. Er schlief 800 Meter entfernt in einem Gebüsch. Der 73 Jahre alte Fluglehrer Winfried Gebhardt ist am Kopf verletzt und wurde zur Beobachtung in eine Berliner Klinik geflogen.

Mit einem Hubschrauber war auch nach dem Vermissten gesucht worden, die Wärmebildkamera versagte an dem Tag jedoch wegen der großen Hitze. Was in den Minuten vor dem Crash auf dem Acker zwischen zwischen Bienenwerder und Neurüdnitz (nahe Wriezen) im kleinen Cockpit der Cessna passierte, ist noch immer unklar. Nach Polizeiangaben hatte Pilot Winfried Gebhardt die einmotorige Maschine vom Typ Cessna 172 selbst gesteuert.

Die Ehefrau des Piloten sprach gegenüber dem Tagesspiegel lediglich davon, es habe einen „hinterhältigen Angriff“ auf ihren Mann gegeben, der aber nicht aus einem Streit resultierte. Ein Polizeisprecher wollte die Aussagen der Frau nicht kommentieren. Beide Seiten müssten zunächst befragt werden. Die Ursache der missglückten Notlandung wird nun untersucht, dazu wird die Auswertung des Funkverkehrs gehören. Bislang gibt es kein Ermittlungsverfahren gegen die beteiligten Personen. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in Braunschweig leitet die Ermittlungen.

Einen Polizisten erinnerte der Unfall an einen ganz ähnlichen Fall vor Jahren: Damals stotterte in einer kleinen Maschine der Motor und der Schüler wollte seinem Fluglehrer in Panik erklären, was nun zu machen sei. Darüber seien die beiden damals in Streit geraten.

Gebhardt hat nach den Angaben auf seiner Internetseite etwa 10 000 Flugstunden auf ein- und zweimotorigen Flugzeugen als Pilot, Geschäftsflieger und Fluglehrer hinter sich, davon 6000 im Doppeldecker AN-2. Die Maschine wurde zu DDR-Zeiten häufig in der Landwirtschaft eingesetzt. Auf dem kleinen Strausberger Flugplatz arbeitet der Pilot seit 1963. 1996 gründete er zunächst einen Flugzeugverleih, dann auch eine Flugschule.

Gestartet war Gebhardt am Freitag etwa 30 bis 45 Minuten vor dem Crash in Strausberg, wo die Firma ihren Sitz hat. Die Polizei sprach von einem Ausbildungsflug. Der Flugschüler soll ein in Berlin lebender Grieche sein. Dass der 51-Jährige nach der missglückten Landung weggelaufen sei, sei unter Schock nichts Ungewöhnliches, sagte ein Polizeisprecher in Frankfurt (Oder). Der Verunglückte wurde zur Untersuchung in eine Klinik gebracht. Der Schaden an der Cessna ist noch nicht beziffert.

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