Berlin : Ende einer Karriere: Senatorin Stahmer will kein neues Mandat

ULRICH ZAWATKA-GERLACH

BERLIN .Jede Parlamentswahl bedeutet Abschied oder Neubeginn.So wird Schulsenatorin Ingrid Stahmer (SPD) im Herbst 1999 ihre politische Laufbahn beenden.Seit 1989 Senatsmitglied eroberte Stahmer bei der Abgeordnetenhauswahl - als SPD-Spitzenkandidatin - ihren Wahlkreis direkt; zur nächsten Wahl tritt sie nicht wieder an.Stattdessen drängen Justizsenator Ehrhart Körting und Finanzsenatorin Annette Fugmann-Heesing ins Parlament.Kaum Chancen auf eine neue Nominierung haben Bausenator Jürgen Klemann (CDU) und dessen Vorgänger Wolfgang Nagel (SPD).

"Es reicht, wenn einer die Laterne hält", begründet Stahmer ihren Verzicht unter Hinweis auf die Kandidatur des Parteifreunds Körting, der die Charlottenburger Bezirksliste anführen soll; SPD-Fraktionsgeschäftsführerin Petra Merkel ist für Platz 2 vorgesehen.An purer Parlamentsarbeit ist Ingrid Stahmer ohnehin nicht interessiert."Ich war immer in der Exekutive." Die Aufgabe des Senatorenamts kündigt die 56jährige gelernte Sozialarbeiterin aber noch nicht offiziell an."Über diese Brücke gehe ich erst, wenn ich davor stehe." SPD-intern heißt es lapidar: Man wolle Ingrid Stahmer einen "ehrenhaften Abgang" ermöglichen.Alle übrigen SPD-Senatoren streben ein Mandat an: Fugmann-Heesing in Schöneberg, Peter Strieder in Kreuzberg und Gabriele Schöttler in Mitte.SPD-Fraktionschef Klaus Böger, der Regierungschef werden will, hat den Listenplatz 1 in Steglitz sicher.

Sein Konkurrent Walter Momper muß auf die Ost-Kreisverbände hoffen.Seine ehemaligen "Heimatbezirke" Kreuzberg und Neukölln, aber auch Reinickendorf wollen ihn nicht.Die politische Laufbahn des Momper-Freunds Wolfgang Nagel geht wohl zu Ende.1995 wurde er aus dem Senat zurückgezogen, die Weddinger Genossen retteten ihm den Sitz im Abgeordnetenhaus.1999 wird Nagel nicht wieder ins Parlament einziehen.

In der Berliner Union ist klar, daß der CDU-Spitzenkandidat und Landeschef Eberhard Diepgen auf Platz 1 der Neuköllner Bezirksliste um die Wähler wirbt.Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner, ebenfalls Neuköllner, muß um einen aussichtsreichen Listenplatz kämpfen.Die umstrittene Gesundheitssenatorin Beate Hübner hingegen hat beste Chancen, die Marzahner CDU-Wahlliste anzuführen, auch ihr Amtsvorgänger Peter Luther ist in Weißensee eine feste Bank.

Ebenso sicher ist die Parlamentskarriere von CDU-Generalsekretär Volker Liepelt, während Kultursenator Peter Radunski, langjähriger Weggefährte Diepgens, seine Kandidatur offenhält.Im Bezirk Mitte, wo Radunski politisch beheimatet ist, möchte Angelika Gramß, eine junge CDU-Nachwuchspolitikerin, das einzige CDU-Mandat behalten.Innensenator Eckart Werthebach, der auf absehbare Zeit im Senatsgästehaus in Zehlendorf wohnt, hat wenig Muße, sich über den Wahlkampf Gedanken zu machen.In Zehlendorf wäre auch kein Platz für ihn, dort hat auch Bausenator Klemann keine Chance, wieder nominiert zu werden.Sogar der CDU-Fraktionsvorsitzende Klaus Landowsky, der unangefochtene Führungsmann der Berliner CDU, ist in "Berlin-Südwest" ein Wackelkandidat.Dort wollen der Alt- und der Jungreformer Uwe Lehmann-Brauns und Michael Braun wieder ins Parlament.Die Hellersdorfer CDU bot Landowsky einen Listenplatz an, der lehnte dankend ab.Landowsky ist bester Hoffnung, daß ihm die Partei nicht in die Suppe spucken wird.Mindestens eine Wahlperiode will er die CDU-Fraktion noch führen; aber nur in der Regierung.An der Rolle des Oppositionsführers, sagt Landowsky, habe er keinen Spaß.

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