Berlin : Ende einer Kiezgeschichte

Das Heimatmuseum Tiergarten wird geschlossen – kein Einzelfall

Rainer W. During

Die Tage des Elches vom Hansaplatz sind gezählt. Ende des Monats schließt das Tiergartener Heimatmuseum in der Turmstraße endgültig. Es ist die zweite Kiezgeschichtssammlung, die im Zuge der Bezirksreform wegfällt. Im Gegensatz zu Hohenschönhausen wird es keine Wiedereröffnung geben. Dennoch soll Tiergartens Historie nicht in Vergessenheit geraten. In Wedding entsteht eine neue Dauerausstellung zur Geschichte aller drei Fusionsbezirke von Mitte, sagt Kulturamtsleiterin Marliese Hoff.

Die hohen Mietkosten in dem bisher genutzten Gebäude und die zunehmende Personalknappheit nennt die Amtsleiterin als Gründe für die Fusion auch im Museumsbereich. „Überall eine gute Ausstellung zu machen, ist nicht möglich.“ So wird jetzt eine gemeinsame Schau über die Geschichte der drei Bezirke am bisherigen Standort des Heimatmuseums Wedding in der Pankstraße vorbereitet. Die Ausstellung soll im Herbst eröffnet werden. Auch der Standort des Museums Mitte im Palais am Festungsgraben bleibt erhalten, versichert Marliese Hoff. Dort wird es wechselnde Veranstaltungen als Kooperationsprojekte mit Sponsoren geben.

In Hohenschönhausen ist das Heimatmuseum schon vor Jahresfrist geschlossen worden. Die Miete für die obendrein desolate Villa am Lindenweg sei den Bezirk zu teuer gekommen, sagt Lichtenbergs Vize-Bürgermeister Andreas Prüfer (PDS). Auch der Lichtenberger Standort in der Parkaue steht demnächst zur Disposition. Doch an einen Abschied von der Lokalgeschichte wird nicht gedacht. Ganz im Gegenteil, aus Mitteln des städtebaulichen Denkmalschutzes wird das alte Stadthaus in der Türrschmidtstraße bis zum nächsten Jahr als neuer Standort ausgebaut. Auch in Hohenschönhausen soll es zukünftig wieder eine Heimatausstellung geben. Sie soll im alten Gutshaus an der Hauptstraße gezeigt werden, dessen Sanierung durch einen Förderverein getragen wird.

In Pankow setzt man dagegen weiterhin auf eine dezentrale Geschichtsarbeit mit Panke-Museum, Prenzlauer Berg-Museum und Stadtgeschichtliches Museum Weißensee. In den anderen Fusionsbezirken stehen die Standorte ebenfalls nicht zur Disposition, so Claus-Dieter Sprink vom Arbeitskreis Berliner Regionalmuseen. Doch mit Ausnahme der durch Heimatvereine getragenen Sammlungen in Steglitz und Zehlendorf werden alle Einrichtungen aus der öffentlichen Hand bezahlt. So könnte sich die Situation schnell ändern, wenn die Landesmittel für die so genannten freiwilligen Leistungen der Bezirke weiter reduziert werden. „Wenn sich diese Haltung beim Senat durchsetzt, geht es den Heimatmuseen an den Kragen“, fürchtet Sprink.

Zum Abschied gibt es im Heimatmuseum Tiergarten in der Turmstraße 75 am 29. Februar von 11 bis 17 Uhr die zweite Moabiter Porzellanbörse.

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