Berlin : Endlich ankommen

Im Juli soll der BER-Probebetrieb starten – aber noch klingen die Vertreter der Politik skeptisch. Wohin die Passagiere fliegen könnten, ist schon klar.

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In neuem Licht. Wann startet am neuen Airport der erste Flieger? Dieses Flugzeug landet noch auf der alten Nordbahn in Schönefeld.
In neuem Licht. Wann startet am neuen Airport der erste Flieger? Dieses Flugzeug landet noch auf der alten Nordbahn in Schönefeld.Foto: dpa

Mit einer Mischung aus Freude und Skepsis haben Berliner Politiker auf die Ankündigung von Flughafenchef Hartmut Mehdorn reagiert, dass ab diesem Juli die ersten Flüge vom neuen Flughafen BER starten sollen. „Das ist ein gutes Signal dafür, dass es vorangeht“, sagte der SPD-Verkehrspolitiker Ole Kreins. Allerdings müsse der Flughafenchef jetzt noch die Belege liefern, dass dies wirtschaftlich machbar sei und keine weiteren Risiken für die für später geplante Inbetriebnahme der kompletten BER-Anlage und dem Umzug des Flugverkehrs von Tegel damit verbunden seien. Geplant ist, dass die Fluggesellschaft Germania ab 1. Juli vorerst bis zu zehn Flüge täglich vom BER-Nordpier unternimmt, um die Anlage testen zu können, bevor dann eines Tages der gesamte neue Flughafen BER seinen Betrieb aufnimmt – mehr dazu im Text rechts.

Der CDU-Stadtentwicklungspolitiker Stefan Evers, der wie Kreins im BER-Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses sitzt, sagt: „Die geplante Teileröffnung kann ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Fertigstellung des Flughafens sein.“ Dabei gehe es nicht nur darum, Systeme und Abläufe zu testen. „Es geht auch um die Symbolwirkung, um sichtbaren Fortschritt und einen persönlichen Erfolg für Mehdorn und sein Management.“

Skeptischer klingen die Vertreter der Berliner Landesregierung – vor allem jene Politiker, die im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft sitzen, welcher Mehdorns Pläne noch absegnen muss. Der Innensenator und CDU-Landesvorsitzende Frank Henkel „erwartet ein überzeugendes und belastbares Konzept und behält sich seine Entscheidung so lange vor“, sagte sein Sprecher, Stefan Sukale, am Sonnabend auf Anfrage. Und vom Sprecher des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD), Richard Meng, ist zu hören: „Das Verfahren ist verabredet: Die Entscheidung fällt, wenn die Genehmigungsfragen geklärt sind, im Aufsichtsrat.“ Der Bund als Mitgesellschafter wollte sich am Sonnabend zu dem Vorgang nicht äußern.

Wie berichtet, hat die für den BER zuständige Baubehörde des Kreises Dahme-Spreewald die Genehmigung für die Fertigstellung des BER-Nordpiers und des für den Interimsbetrieb nötigen Umbaus jetzt zumindest in Aussicht gestellt. „Noch ist der 1. Juli nicht gesetzt“, warnt jedoch CDU-Mann Evers. „Die notwendigen Genehmigungen sind kein Selbstläufer. Es sei zwar „schön, dass die Antragsunterlagen diesmal vollständig eingereicht wurden“. Aber inhaltlich habe sich die zuständige Behörde noch nicht zu den Erfolgsaussichten des Vorhabens geäußert. „Wir müssen abwarten, was die Prüfungen ergeben.“

Der CDU-Verkehrspolitiker Oliver Friederici, der kürzlich erst den Nordpier in Schönfeld besucht hat, hält es zumindest für „denkbar“, dass der Probebetrieb von dort funktionieren könnte. Er appelliert an den Aufsichtsrat, Mehdorns Pläne zu unterstützen: „Ja, man kann das wagen.“ Allerdings betrachte er es „mit Sorge“, dass die Ankündigung der Teileröffnung jetzt erst für den Stichtag 1. Juli kommt und nicht schon für einen früheren Zeitpunkt, wie ursprünglich angedacht.

Dabei zu sein, wenn der neue Flughafen BER zum Leben erwacht, das wünschen sich jetzt viele. Nur wie soll das Ganze am Nordpier funktionieren? Wir werfen einen Blick in die Zukunft: Es sollen dann Zubringerbusse zwischen dem Bahnhof Schönefeld und dem BER hin- und herfahren. Denn der unterirdische Bahnhof geht wohl noch nicht in Betrieb. Auf der Autobahn ist der Hinweis auf den neuen Flughafen nicht länger durchgestrichen. Nach der Ausfahrtkurve geht es geradeaus aufs Airportgebäude zu. Rechterhand, hinter dem Info-Tower, liegt das langgestreckte Nordpier. Hier sind die Zäune dann weggeräumt, der Rest-BER bleibt aber weiter abgesperrt. Direkt vorm Gebäuderiegel würden Taxis halten, daneben stünden die Kurzparker, dann folgt die Busfläche. Viele Passagiere werden laut Flughafengesellschaft die gegenüberliegenden Parkhäuser P8 und P7 benutzen – sie sind bereits derzeit auch nachts beleuchtet, aus Sicherheitsgründen.

Statt durchs Hauptterminal gelangen die Fluggäste direkt ins Gebäude. Es soll vom reinen Abfluggate zum Mini-Flughafen umgebaut werden: Sicherheitskontrolle, mobile Check-in-Counter, Gepäckaufgabe mit Röntgengeräten, Gastronomie, Shopping. Dafür würden auch Wände durchbrochen. Und zwei Fenster ausgebaut, für die Gepäckbänder.

Gemischte Teams von Mitarbeitern aus Schönefeld und Tegel sollen am neuen Arbeitsplatz starten, etwa von der IT, der Sicherheit, vom Fahrzeugservice, der Versorgungstechnik, und von Bundespolizei, Zoll – und Fluggesellschaft Germania. Drei bis zehn Flüge am Tag sollen abgefertigt werden, zu acht schon festgelegten Zielen. Ob der Premiereflug auf die Kanaren, nach Ägypten oder in die Arabischen Emirate, nach Skopje oder Beirut führen soll, war noch nicht herauszufinden.

Zu Fuß oder per Bus ginge es zur Maschine, und viele Passagiere werden die Handycam zücken, so dicht kommt man sonst nicht an die neuen BER-Gebäude heran. Da die alte Nordbahn mit Inbetriebnahme der Südbahn renoviert wird, lässt die Flugsicherung auch alle anderen Flugzeuge, die in Schönefeld landen oder starten, zur neuen Bahn rollen. Wird diese etwa mit Farbe oder nur ideell verkürzt? Das war gestern nicht zu klären. Klar ist aber laut Flughafensprecher Ralf Kunkel, dass es sich nicht um einen „Volllastbetrieb, sondern einen Echttest“ handelt. Sprich: Alle BER-Systeme wie das LAN-Netz, die Einbruchmeldeanlage, Videomanagement, Gebäudeleittechnik und Aufzugnotrufe müssten den Praxistest bestehen. 66 Prozent aller Objekte gehen in Betrieb. Die neue Sprinkleranlage ist gerade eingebaut. Bis Juli müssten auch die Nachbesserungen fertig sein, wie der Umbau der Kabeltrassen.

Es wird zwar der BER genutzt, aber weil der offiziell noch nicht eröffnet und genehmigt ist, liefe der Flugbetrieb erstmal weiter nach SXF-Regeln. Wenn der Pilot also bei Ostwind Schub gibt, dreht er nicht sofort nach dem Start auf der von Piloten und auch Hartmut Mehdorn kritisierten Hoffmannkurve ab, sondern schwenkt nach links, auf die Routen der Schönefelder Nordbahn. Fast schon ein neuer Airport also – aber mit alter Route.

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