• Endlich Ferien – doch 17 500 Schüler bleiben sitzen Schulen nehmen viele Probleme mit in die Sommerpause: Proteste gegen Abzug von Fachlehrern gehen weiter

Berlin : Endlich Ferien – doch 17 500 Schüler bleiben sitzen Schulen nehmen viele Probleme mit in die Sommerpause: Proteste gegen Abzug von Fachlehrern gehen weiter

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Von Amory Burchard

Von den 366 000 Berliner Schülern, die heute ihre Zeugnisse erhalten, muss jeder zwanzigste die Klasse wiederholen. Nach Angaben der Schulverwaltung bleiben rund 17 500 Schüler sitzen. Im neuen Schuljahr soll die Schule trotz der Sparzwänge attraktiver werden, verspricht Senator Klaus Böger (SPD). Viele Grundschulleiter verabschieden sich trotzdem nicht entspannt in den Urlaub. Sie kämpfen weiter für ihre Fachlehrer.

Die erste Fremdsprache ab der 3. Klasse, eine zusätzliche Stunde Deutsch in der zweiten Klasse, kleinere Lerngruppen in Schulen, die in Problemkiezen liegen: So will die Schulverwaltung nach dem Pisa-Schock und den katastrophalen Ergebnissen der Sprachstandserhebung „Bärenstark“ frischen Wind in die unteren Klassen bringen. Unruhe hat allerdings ein anderes Projekt in die Grundschulen gebracht. Sie sollen geringer qualifizierte, so genannte Lehrer für die unteren Klassen (LuK), die in Ost-Berlin ausgebildet wurden und im Überhang sind, aufnehmen und dafür Fachlehrer an Oberschulen abgeben. Rund 250 Lehrer sollen so rotieren. Die betroffenen Grundschulen protestieren, wollen sie doch ihre mühsam aufgebauten fachlichen Schwerpunkte nicht wieder aufgeben.

Der Schulsenator versucht weiterhin, sein Lehrer-Karussell in Schwung zu bringen. Gleichzeitig gelingt es offenbar immer mehr Schulen abzuspringen. Gudrun Borchert, Leiterin der Victor-Gollancz-Grundschule in Frohnau, fürchtete, zehn Fachlehrer für Sport, Englisch, Biologie und Arbeitslehre zu verlieren. Nach zahlreichen Gesprächen mit dem Landesschulamt konnte sie gestern sagen: „Wir sind Gott sei Dank darum herumgekommen.“ Sie müsse nun gar keinen Lehrer an Oberschulen abgeben und keinen LuK-Lehrer aufnehmen.

Auch die Schöneberger Werbellin-Grundschule, die um eine Klassenlehrerin für ihre Erstklässler kämpfte, erfuhr wenige Tage vor Ferienbeginn: „Es ist amtlich, sie kann hierbleiben.“ Was bleibt denn nun vom LuK-Lehrer-Projekt der Schulverwaltung? Schulsenator Klaus Böger (SPD) sagte dem Tagesspiegel, er wolle an den Umsetzungen festhalten, habe jedoch versucht, Härten für einzelne Grundschulen zu vermeiden.

Bögers Sprecherin Rita Hermanns bestreitet, einen Teilrückzug der Verwaltung. Die drohenden Umsetzungen, gegen die Schulen protestiert hätten, seien allerdings „nur Vorschläge“ gewesen. Bei Schulen, deren Profil in Gefahr sei, habe man „in Einzelfällen andere Lösungen gefunden“. Aber im Prinzip gelte: „Wir müssen umsetzen, jedes Kind hat ein Recht auf Fachlehrer.“ Es sollten weiterhin 250 Lehrer rotieren, die betroffenen Schulen würden bis zum Beginn des neuen Schuljahres feststehen, sagt Hermanns.

Unterdessen sagten engagierte Elternvertreter an der Hugo-Heimann-Grundschule gestern eine Demo ab, nachdem auch hier feststand, dass die Bio- und Englisch-Lehrerin bleiben kann. Schulleiterin Angelika Middendorf ist erleichtert und sagt: „Die brauchen wir dringend für das Frühenglisch.“

Wie sich der frühe Fremdsprachenunterricht ab der 3. Klasse auf die Grundschullandschaft auswirkt, steht noch nicht fest. So ist nicht bekannt, an wie vielen Schulen schwerpunktmäßig Französisch als erste Sprache unterrichtet wird. Sitzenbleiben oder schlechte Noten sollten kein Grund zum Verzweifeln sein, sagt Schulsenator Böger zum Schuljahresende, sondern Anlass zu Gesprächen zwischen Eltern, Kindern und Lehrern. An den Sorgen-Telefonen warten Fachleute auf Anrufe.

Zeugnis-Sorgentelefone im Landesschulamt: für Grund- und Sonderschulen 9026 6422, für Haupt-, Real- und Gesamtschulen 9026 6288, für Gymnasien 9026 6387; Elterntelefon des Kinderschutzbundes 0800 111 0550 (heute 9 bis 11 Uhr, morgen 17 bis 19 Uhr).

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