Berlin : Endlich fertig: Tiergarten-Tunnel ab November offen

Computer-Software ist jetzt da – bald rollen täglich 60 000 Autos. Kein Durchgangsverkehr vor dem Paul-Löbe-Haus

Klaus Kurpjuweit

Neuer Anlauf. Der Straßentunnel unter dem Tiergarten soll nun – mit rund zweimonatiger Verspätung nach zehn Jahren Bauzeit Anfang November eröffnet werden. Dann kann der Nord-Süd-Verkehr das Regierungsviertel unterirdisch durchfahren. Anders als bisher geplant soll aber die oberirdische Straßenführung erhalten bleiben. Damit verzichten die Planer auf ein städtebauliches Kuriosum: Unter dem Vordach des Paul-Löbe-Hauses des Bundestages wird es keinen Durchgangsverkehr geben.

Der etwa 390 Millionen Euro teure Tunnel sollte ursprünglich am 7. September eröffnet werden. Doch obwohl bereits seit zehn Jahren an dem Bauwerk gewerkelt wird, konnte die beauftragte Firma die Computer-Software für die Sicherungstechnik nicht rechtzeitig liefern. Jetzt ist sie aber eingetroffen und soll nächste Woche eingebaut werden.

Die „Dirigent“ genannte Technik schaltet die Ampeln an den Tunneleinfahrten bei Gefahr auf Rot. Zur angeschlossenen Sicherheitstechnik in der 2,45 Kilometer langen Doppelröhre gehören auch 150 Kameras, 41 Notrufmelder und 500 Lautsprecher. Das Zusammenspiel aller Systeme soll nun nach dem Einbau der Software ausführlich getestet werden.

Auch wenn die Techniker damit früher fertig werden sollten, wollen die Planer in der Stadtentwicklungsverwaltung mit der Freigabe bis Anfang November warten. Dann sollen nämlich auch die Ein- und Ausfahrten an der Invalidenstraße im Bereich des neuen Hauptbahnhofs fertig sein. Wären die Röhren bereits am 7. September in Betrieb gegangen, wäre diese Anschlussstelle noch gesperrt gewesen, weil die Arbeiten dort erst im November beendet sind. Über diesen Anschluss fließt der Verkehr des so genannten Innenstadtrings, der das Zentrum umfahren soll. Statt in zwei Etappen soll der Tunnel jetzt gleich komplett eröffnet werden. Etwa 60 000 Autos werden nach den Prognosen täglich durch die Röhren rollen.

Damit wird der Verkehr an der Oberfläche stark reduziert. Die Planer rechnen dann nur noch mit maximal vier Autos pro Minute und Richtung. Sie sollten auf der Konrad-Adenauer-Straße direkt vor dem Paul-Löbe-Haus unter dem repräsentativen Vordach vorbeifahren.

Dagegen wehrte sich jetzt aber, wie berichtet, der Bundestag, der in den 90er Jahren diesen Plänen noch zugestimmt hatte. Durchgangsverkehr vor dem Eingang gefährde Besuchergruppen, begründete die Vorsitzende der Bau- und Raumkommission, Irmingard Schewe-Gerigk (Grüne) den Vorstoß. Außerdem äußerte sie Sicherheitsbedenken.

Nach offiziellen Angaben prüft die Stadtentwicklungsverwaltung noch, ob eine andere Straßenführung möglich ist, doch nach Tagesspiegel-Informationen ist die Sache entschieden: Demnach soll der nach der Tunneleröffnung übrig bleibende Durchgangsverkehr weiter wie heute über die provisorisch angelegte Straße um die Schweizer Botschaft herum und mitten durchs ursprüngliche Bundesforum zwischen dem Kanzleramt und dem Paul-Löbe-Haus fließen.

Diese Strecke war als Ersatz für den Tunnel angelegt worden, nachdem die unterirdische Strecke nicht wie geplant 2000 fertig geworden war. Ursache waren Verspätungen der Bahn beim Bau des Hauptbahnhofs, wo die Anschlussstelle Invalidenstraße erst jetzt fertig wird. Der Straßentunnel ist in den Hauptbahnhof integriert und hat direkte Zufahrten zu den Parketagen des Hauptbahnhofs mit zusammen rund 900 Stellplätzen.

Damit aus dem Provisorium ein Dauerzustand werden kann, müssen das Kanzleramt und die Schweizer Botschaft damit einverstanden sein. Und auch Geld muss noch aufgetrieben werden. Das Provisorium war nur für eine relativ kurze Nutzungszeit bis zur Tunneleröffnung angelegt. Für einen Dauerbetrieb müsste die Straße ausgebaut werden. Ob dafür dann auch noch ein aufwändiges Genehmigungsverfahren erforderlich ist, ist noch nicht geklärt. Bis die Entscheidung gefallen ist, kann der Verkehr aber dort auf jeden Fall weiterrollen.

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